Bares für den Müll?

TU-Forschungsgruppe untersucht Ausmaße von Lebensmittelverschwendung

28.10.2021

Weltweit landen jährlich über 930 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Forschende des Instituts für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz der TU Hamburg wollen daran etwas ändern.
Weltweit landen jährlich über 930 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Forschende des Instituts für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz der TU Hamburg wollen daran etwas ändern. Foto: Photo by Pawel Czerwinski on Unsplash

Weltweit landen jährlich über 930 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. In Industriestaaten wie Deutschland sind Haushalte mit über 50 Prozent der Lebensmittelabfälle hauptverantwortlich für diesen hohen Wert. Um diesem Ausmaß entgegenzuwirken wurde in den Sustainable development goals (SDG) der Vereinten Nationen das Ziel formuliert, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 um die Hälfte zu reduzieren. Ob dieses Vorhaben machbar ist, hat die Forschungsgruppe Bioressourcen-Management (BIEM) des Instituts für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz der Technischen Universität Hamburg untersucht.

75 Kilogramm pro Person
Dafür machte sich das TU-Team mit Schutzanzug, Atemmaske und Gummihandschuhen an die Arbeit, um die Menge und Zusammensetzung des Rest- und Biomülls zweier Lübecker Wohngebiete zu ermitteln. Die Ergebnisse zeigen, dass pro Kopf jährlich circa 75 Kilogramm Lebensmittelabfälle anfallen, das entspricht dem deutschen Durchschnitt. „Abgesehen von unvermeidbaren Abfällen wie beispielsweise Orangenschalen, wäre unseren Berechnungen zur Folge davon knapp die Hälfte vermeidbar gewesen“, sagt Wissenschaftler Steffen Walk.

112 Euro landen im Abfall
Den größten Teil an vermeidbaren Lebensmittelabfällen stellen dabei Obst und Gemüse, gekochte Speisereste sowie Brot dar. Der Rest ist tierischen Ursprungs. „Unsere Ergebnisse wollen wir verständlich aufbereiten und einer breiten Bevölkerung zugänglich machen. Denn was wir jährlich in die Tonne schmeißen, entspricht ungefähr einem Gegenwert von 112 Euro“, so Walk. „Nur wer die Ausmaße kennt und vielleicht im eigenen Geldbeutel spürt, wird sein Verhalten überdenken. Das ist unser Ziel“.

Bioressourcen-Management (BIEM)
BIEM vereint die Wissensbereiche von regionaler und internationaler Abfallwirtschaft. Dabei liegen die aktuellen Forschungsschwerpunkte auf den Themenbereichen Bioressourcenmanagement und Bioraffinerietechnologie. So werden beispielsweise die Menge, der Entstehungsort und die Zusammensetzung von Bioressourcen untersucht sowie die Kompostierung, Vergärung und Nährstoffrückgewinnung. Die Ergebnisse dieser Fallstudie wurden im Rahmen des EU-Projekts DECISIVE erarbeitet.

Weitere Informationen unter www.tuhh.de/aww/forschung/biem und https://www.decisive2020.eu/


TUHH - Pressestelle
Franziska Trede
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