Start-up traceless materials der TU Hamburg erhält Millionenförderung

2.24 Mio. € vom Europäischen Innovationsrat zur schnellen Skalierung einer innovativen Technologie

21.10.2021

Die traceless-Gründerinnen Johanna Baare (links) und Dr. Anne Lamp.
Die traceless-Gründerinnen Johanna Baare (links) und Dr. Anne Lamp. Foto: traceless

Weltweit fallen enorme Mengen an Plastikmüll an - 90 Millionen Tonnen davon landen irgendwo in der Umwelt. Ein an der Technischen Universität Hamburg entstandenes Start-up verspricht Abhilfe: Es hat einen vielfältig einsetzbaren Kunststoff entwickelt, der vollständig kompostierbar ist und dadurch die Natur nicht belastet. Das zirkuläre Bioökonomie Start-up traceless materials ist nun eines der 65 Unternehmen, die vom Europäischen Innovationsrat (European Innovation Council, EIC) eine Förderung erhalten haben. Mit seinem innovativen, ganzheitlich nachhaltigen Material bietet das Unternehmen eine Lösung für die globale Plastikverschmutzung.

Lösung für die globale Plastikverschmutzung
Das von zwei Frauen gegründete Start-up traceless materials hat eine ganzheitlich nachhaltige Materialalternative zu Plastik entwickelt. Gut ein Jahr nach der Gründung erhält das junge Unternehmen nun die Zusage für eine Förderung in Höhe von 2,42 Millionen Euro und ein Investment des Europäischen Innovationsrats (EIC). Diese Unterstützung ermöglicht es dem Unternehmen, sein innovatives, natürlich kompostierbares Biomaterial schnell auf den Markt zu bringen. traceless ersetzt Kunststoff und Biokunststoff in Produkten, die leicht in die Umwelt gelangen können, und trägt so zur Lösung der globalen Plastikverschmutzung bei.

Alternative zu Plastik
In Europa werden derzeit nur 32,5% der Kunststoffabfälle von Verbrauchern gesammelt und recycelt. 43% des entsorgten Plastiks in Europa wird verbrannt, weitere 25% auf Deponien gelagert. Ein erheblicher Teil aller Kunststoffabfälle landet in der Umwelt und führt dort zu einer starken Verschmutzung der Meere und Lebensräume. Um zu verhindern, dass weiteres Plastik und Mikroplastik in die Umwelt gelangt, besteht ein dringender Bedarf für alternative Materiallösungen. Dabei müssen die Auswirkungen solcher Alternativen auf andere Herausforderungen wie den Klimawandel, das globale Ernährungsproblem, die Änderung von Flächennutzung und den umweltgerechten Umgang mit gefährlichen Chemikalien, berücksichtigt werden.

Innovation aus Resten der Lebensmittelproduktion
traceless wurde mit ganzheitlichem Blick auf diese vielfältigen Einflussfaktoren entwickelt. Die innovative, zum Patent angemeldete Technologie von traceless ermöglicht es, aus Reststoffen der landwirtschaftlichen Lebensmittelproduktion ein Material herzustellen, das zu Hause und unter natürlichen Bedingungen kompostierbar ist. traceless ist biobasiert, verursachen keine Landnutzungsänderungen, benötigen keine umwelt- oder gesundheitsgefährdenden Zusatzstoffe oder Lösungsmittel und verursacht bis zu 87 % weniger CO2-Emissionen als konventioneller Neukunststoff. Da es auf natürlichen Polymeren basiert, die weder chemisch verändert noch synthetisch polymerisiert werden, dürfte es nicht unter die EU-Kunststoffrichtlinie fallen. Das neuartige Material ist bereits heute in seiner Qualität wettbewerbsfähig zu herkömmlichem Plastik und Bioplastik und wird auf industriellem Produktionsniveau auch preislich mit Neukunststoffen in der EU konkurrieren können. Dies macht es zu einer Lösung für Menschen aller Bevölkerungsschichten und Einkommensniveaus. traceless ist für eine Vielzahl von Produkten geeignet, die leicht in die Umwelt gelangen können - von rigiden und flexiblen Verpackungen über Einwegartikel bis hin zu Produkten mit hohem Abrieb und Beschichtungs- und Klebstofflösungen. Mit seinem einzigartigen Material trägt das Unternehmen zur Lösung der globalen Plastikverschmutzung bei.

Der EIC-Bewertungsausschuss lobt die Exzellenz der Erfindung von traceless:
"Die vorgeschlagene Innovation stellt einen echten Durchbruch im Bereich der Kunststoffmaterialien dar, da sie einen zirkulären und nachhaltigen Ansatz auf Grundlage von landwirtschaftlichen Reststoffen, innovativen Umwandlungsschritten und finalen Material-Eigenschaften kombiniert, die über den derzeitigen Stand der Technik hinausgehen und eine vollständig biologisch abbaubare Lösung für viele Sektoren bieten.

Das traceless-Material kann unter anderem für Lebensmittelverpackungen genutzt werden.
Das traceless-Material kann unter anderem für Lebensmittelverpackungen genutzt werden. Foto: traceless

Die Kombination von biologischer Abbaubarkeit mit spezifischen thermomechanischen, Barriere- und Kompatibilitätseigenschaften kann wichtige Marktchancen eröffnen, insbesondere für die Verpackungsindustrie."

In großem Maßstab produzieren
Seit seiner Gründung im September 2020 hat das Unternehmen klare Ambitionen gezeigt, sein Material schnell auf den Markt zu bringen. Das stetig wachsende Team entwickelt derzeit mehrere Prototypen, unter anderem eine E-Commerce-Versandtasche mit dem Versandhaus OTTO, einem der größten E-Commerce-Unternehmen Europas. Gleichzeitig ermöglicht ein erfolgreiches Seed-Investment traceless materials den Aufbau einer ersten Pilotproduktionsanlage, mit der erste Marktpiloten realisiert werden können. Das Unternehmen wird die EIC-Förderung nutzen, um seine Expansion durch den Bau einer Demonstrationsanlage, die den ersten Markteintritt ermöglichen wird, weiter zu beschleunigen.

Der EIC Accelerator unterstützt kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in der Entwicklung und Skalierung bahnbrechender Innovationen. Ziel des EIC ist es, Europa an die Spitze von Innovation und neuen Technologien zu bringen, indem in neue Lösungen für aktuelle Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit, Umwelt und Gesellschaft investiert wird. Es handelt sich um das derzeit wettbewerbsintensivste öffentliche Finanzierungsprogramm für Start-ups im Bereich der Spitzentechnologie – wie die strenge Auswahl von nur 65 Gewinnern aus 4000 Unternehmen, die in diesem Jahr ihre Ideen einreichten, zeigt.

Dr. Anne Lamp, CEO und Erfinderin der traceless Technologie, reagierte enthusiastisch: "Die Unterstützung durch den EIC Accelerator ist eine klare Anerkennung des innovativen Charakters und des hohen Potenzials unserer Lösung sowie der großartigen Arbeit, die unser Team im vergangenen Jahr geleistet hat. Die Förderung ermöglicht es uns, unsere Entwicklung noch weiter zu beschleunigen und traceless schnell auf den Markt zu bringen - damit wir unseren Beitrag zur Lösung der globalen Plastikverschmutzung leisten können!" Link zur offiziellen EIC-Pressemitteilung.

Über traceless materials
Die traceless materials GmbH wurde im September 2020 von Dr. Anne Lamp und Johanna Baare gegründet. Das Circular Bioeconomy Start-up bietet eine ganzheitlich nachhaltige Alternative zu konventionellen Kunststoffen und Biokunststoffen, und trägt so zur Lösung der globalen Plastikverschmutzung bei. Erstmals wird aus Nebenprodukten der Agrarindustrie ein Biomaterial hergestellt, das die vorteilhaften Eigenschaften von Kunststoffen bietet und gleichzeitig unter natürlichen Bedingungen vollständig kompostierbar ist. Obwohl traceless Material biobasiert ist, konkurriert es nicht mit der Nahrungsmittelproduktion und vermeidet so Landnutzungsänderungen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kunststoffen und Biokunststoffen benötigen es keine schädlichen Zusatzstoffe, Lösungsmittel oder Chemikalien und verursacht bis zu 87 % weniger CO2-Emissionen als Neukunststoffe. Die ganzheitliche Nachhaltigkeit von traceless materials wurde im Rahmen einer Lebenszyklusanalyse (Life-Cycle-Assessment) untersucht. Die von unabhängiger Seite und nach wissenschaftlichen Kriterien durchgeführte Analyse belegt dabei das positive Potenzial von traceless für unterschiedliche Wirkungsindikatoren, beispielsweise Ressourcenverbrauch, Klimaauswirkungen und Landnutzung. Link zur LCA Analyse.

Da das Material auf natürlichen Polymeren basiert, die weder chemisch verändert noch synthetisch polymerisiert wird, dürfte traceless nicht unter die EU-Kunststoffrichtlinie fallen. Das Material ist bereits qualitativ wettbewerbsfähig zu konventionellen Kunststoffen und Biokunststoffen und wird auf industriellem Produktionsniveau preislich konkurrenzfähig zu Neukunststoffen in der EU sein. Das interdisziplinäre Team von traceless wurde bereits mit einigen Auszeichnungen gewürdigt: Nachdem es im Gründungsjahr 2020 die Advanced Materials Competition (AdMaCom) für sich entschied, wurde das Start-up 2021 Sieger beim Green Alley Award und Impact Festival Award, sowie Zweitplatzierter beim Biopolymer Innovation Award, Future Hamburg Award und C-Voucher Prize.

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Über den Europäischen Innovationsrat (EIC)
Der Europäische Innovationsrat (European Innovation Council, EIC) ist Europas Flaggschiff-Innovationsprogramm zur Ermittlung, Entwicklung und Verbreitung bahnbrechender Technologien und Innovationen. Der EIC wurde im März 2021 - nach einer erfolgreichen Pilotphase zwischen 2018 und 2020 - als wichtige Neuerung im Rahmen des Horizont Europa Programms offiziell ins Leben gerufen. Er verfügt über ein Gesamtbudget von mehr als 10 Mrd. EUR, um bahnbrechende Innovationen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg zu unterstützen, von der Frühphasenforschung über den Konzeptnachweis und den Technologietransfer bis hin zur Finanzierung und Vergrößerung von Start-ups und KMUs. Im Jahr 2021 stehen für den EIC Accelerator rund 1,1 Mrd. EUR zur Verfügung. Der EIC-Accelerator ist ein einzigartiges europäisches Finanzierungsinstrument, das sich an kleine und mittlere Unternehmen inkl. Start-ups richtet, die disruptive, hochrisikoreiche Innovationen mit großem Marktpotential entwickeln und bietet sowohl Zuschüsse von bis zu €2,5 Mio. als auch Beteiligungskapital von bis zu €15 Mio. zur Entwicklung der Innovation bis zur Marktreife. Darüber hinaus erhalten die vom EIC ausgewählten Unternehmen Coaching, Mentoring, Zugang zu Investoren und Unternehmen und viele andere Möglichkeiten als Teil der EIC-Gemeinschaft. Ziel des EIC ist es, Europa durch Investitionen in neuartige, wegweisende Lösungen für globale Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit, Umwelt und Gesellschaft an die Spitze von Innovation und neuen Technologien zu bringen.

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