"Auf zum Mond"

Zweiter Teil der Serie zum ThyssenKrupp IdeenPark

02.08.2012

Die unbemannte Raummission: Ein ähnliches Modell wird 2015 von den Teilzeitwissenschaftlern auf den Weg zum Mond gebracht. Zu besichtigen ist es ab dem 11. August in Essen
Die unbemannte Raummission: Ein ähnliches Modell wird 2015 von den Teilzeitwissenschaftlern auf den Weg zum Mond gebracht. Zu besichtigen ist es ab dem 11. August in Essen
Foto: Part-Time Scientists

1969 setzten erstmals Menschen ihren Fuß auf die Mondoberfläche. Seitdem ist nicht mehr viel passiert. Das allerding soll sich ändern, denn wenn alles nach Plan läuft, werden schon bald wieder Daten und Bilder vom Mond zur Erde übertragen. Hinter der Idee steckt der von Google ausgelobte Wettbewerb "Google Lunar X-Prize". Zurzeit kämpfen 21 Teams aus der ganzen Welt gegeneinander und gegen die Uhr. Denn um den Hauptpreis in Höhe von 20 Millionen Dollar zu gewinnen, muss der Rover bis 2015 sicher auf den Mond befördert werden und mindestens 500 Meter auf der Mondoberfläche fahren.

Mitglieder des deutschen Google-Lunar-X-Prize-Teams "Part-Time Scientists" um den TU-Doktoranden Karsten Becker präsentieren im ThyssenKrupp IdeenPark Modelle des Rovers. Besucher werden sie über eine künstliche Mondoberfläche lenken und gleichzeitig viel über den Erdtrabanten in Erfahrung bringen.

Der 30-jährige technische Informatiker Becker vom TU-Institut für Rechnertechnologie leitet das Team für die Elektrotechnik. Er ist guten Mutes: "In unserer Freizeit entwickeln wir Komponenten für eine unbenannte Raummission. Es ist eine Herausforderung, jedoch eine, die zu bewältigen ist. Wir werden den Mondrover zum Mond schießen und sind vorne weg mit dabei. Einem Ranking zufolge belegen wir den dritten Platz." Getüffelt wird in Beckers Arbeitszimmer. Die verschiedensten Prototypen haben im Laufe der vergangenen Jahre das Denk- und Bastellabor verlassen. Das aktuell vielversprechendste Modell, der R0, gleicht einem etwa DIN A4 großen und mit vier 360 Grad Lenkrollen bestückten Rollbrett. Am R0 werden Software und Steuerung getestet. Das Modell wird ab dem 11. August in Essen zu bewundern sein. Auf dem Mond landen soll schließlich der größer ausgelegte Asimov.

Karsten Becker vom TU-Institut für Rechnertechnologie ist Mitglied des Google-Lunar-X-Prize-Teams "Part-Time Scientists"
Karsten Becker vom TU-Institut für Rechnertechnologie ist Mitglied des Google-Lunar-X-Prize-Teams "Part-Time Scientists"
Foto: privat

Das bewegliche Solarpanel des Rovers wandelt die Energie der Sonnenstrahlung in elektrische Energie um und treibt den Rover voran, den Becker mit Hilfe einer Fernsteuerung durch sein Arbeitszimmer oder über die Flure des Instituts lenkt. Mittlerweile bestehen die Komponenten des Rovers nicht mehr aus Kunststoff sondern aus Aluminium. Ein Material, dass den extremen Temperaturen von bis zu Plus 139 Grad Celsius am Tage und Minus 160 Grand Celsius in der Nacht standhält.

Eine Interkontinentalrakete, die einst als Trägermittel für Atomsprengköpfe genutzt wurde, soll den Mondrover in die Umlaufbahn der Erde bringen. "Von da aus geht es mit einer Mondfähre, die wir selbst konstruieren müssen, auf den Mond", so Becker. Die Gesamtstrecke zum Mond misst immerhin 400.000 Kilometer.

Das Low-Budget Weltraumvergnügen in zweistelliger Millionenhöhe, das den frechen Slogan "Hell yeah, ist´s rocket science" trägt, ist ohne die finanzielle Unterstützung seitens Unternehmen aus Wissenschaft und Technik nicht zu stemmen. Darüber hinaus steht dem Team als Ratgeber das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt zur Seite. Die Mittel für die Rakete, dem teuersten Stück der Mission, müssen noch eingeworben werden.

Becker rechnet mit einem großen Besucherandrang im IdeenPark. "Die Mondmission begeistert jeden. Allein bei Facebook zählen wir 100.000 Gäste. In Essen wollen wir unsere Geschichte erzählen und die Leute auf Augenhöhe mit unserer Idee erreichen. Allen soll klar werden, dass wir keine versponnenen Wissenschaftler sind, keine Götter in Weiß. Bei uns dürfen alle mitmachen", sagt der Informatiker.

Relativ schnell hat das Team festgestellt, dass sich vor allem die jüngere Generation für die Mondmission interessiert. "Durch die Kooperation beispielsweise mit der TU Hamburg-Harburg ist es uns möglich, nicht nur Studierende sondern auch Schüler zu erreichen. Regelmäßig halten wir Vorträge vor Schülern der oberen Jahrgangsstufen", sagt Becker.

Demnächst wird das Mondrover-Modell R0 als Bausatz angeboten. "Aktuell planen wir den Bau eines sehr großen Mondspielfelds in einer alten Berliner Fabrikhalle.

Dort können Menschen von überall in der Welt die Rover über das Spielfeld lenken ... und plötzlich fährt Otto-Normalverbraucher eine Mondmission ", so Becker. Im Hintergrund wird das deutsche Google-Lunar-X-Prize-Team die Fahrzeuge beobachten, Daten sammeln und diese für die reale Mondmission zu nutzen.

"Wir benötigen Erfahrungswerte. Aktuell beschäftigt uns die Frage, wie man mit der verzögerten Übermittlung der Signale von der Erde bis zum Mond und wieder zurück zu recht kommt." Eineinhalb Sekunden dauert es, bis das Signal der Fernbedienung den Rover auf dem Mond erreicht; weitere eineinhalb Sekunden Sendezeit benötigt das Bild zurück zum Empfänger auf der Erde.


TUHH - Pressestelle

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