Ingenieurforum Nord

15.04.1998

Am Mittwoch, den 15.04.1998 besucht der Erste Bürgermeister der
Freien und Hansestadt Hamburg, Ortwin Runde, die Technische Universität
Hamburg-Harburg. Nach einem Gespräch mit dem Präsidenten der
TUHH, Professor Dr. Hauke Trinks, ist ein Besuch im Arbeitsbereich Biomechanik
geplant. Bürgermeister Ortwin Runde hat in seiner Zeit als Senator
der BAGS maßgeblich an der Gründung des Arbeitsbereichs Biomechanik,
als Teil Des Zentrums für Biomechanik der Freien und Hansestadt Hamburg,
mitgewirkt.

Der Erste Bürgermeister wird sich über die Forschungsergebnisse
im Bereich der künstlichen Gelenke, des Einsatzes von Wasserstrahlskalpellen,
des Gefäßersatzes und der Wirbelsäulenstabilisierung informieren.

Der Schwerpunkt des Arbeitsbereiches Biomechanik liegt in der Untersuchung
und Modellierung der Belastung der Strukturen des menschlichen Körpers
und hierbei hauptsächlich auf körperfremden Anteilen, also künstlichen
Gelenken und Implantaten. Neben der Grundlagenforschung in den Bereichen
der Belastungsmodellierung und dem Abrieb künstlicher Gelenke steht
die angewandte Forschung. Hier arbeitet der Arbeitsbereich Biomechanik
im Rahmen des Biomechanischen Zentrums der Freien und Hansestadt Hamburg
eng mit den Allgemeinen Krankenhäusern, dem Universitätskrankenhaus
Eppendorf sowie dem Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenaus Boberg
zusammen. Diese Zusammenarbeit wird seit Bestehen des Arbeitsbereiches
durch die BAGS intensiv unterstützt. So wird ermöglicht, Probleme,
die im klinischen Alltag auftreten, mit ingenieurwissenschaftlichen Methoden
zu untersuchen, zu verstehen und Lösungsansätze zu erarbeiten
und auszuführen.

Eines der Hauptprobleme beim Gelenkersatz ist die Wechselwirkung zwischen
körpereigenen Strukturen wie Knochen, Sehnen, Muskeln oder Knorpel
und den körperfremden Strukturen, welche aus Metallen, Keramiken oder
Kunststoffen bestehen. Die Abriebpartikel, die im Interface zwischen körpereigenen
und -fremden Materialien bzw. im künstlichen Gelenk direkt entstehen,
führen über längere Zeiträume zur Lockerung des Implantats,
was der Hauptgrund für das Versagen von Implantaten ist. Die Minimierung
der Abriebpartikel ist deshalb ein wichtiger Faktor für die Verlängerung
der Verweildauer von Prothesen, und kann durch Material-, Design- oder
Oberflächenmodifikationen erreicht werden. Im Arbeitsbereich Biomechanik
werden Prothesenmodifikationen in Kooperation mit dem AK Altona (Wehning,
Graßmann) und dem AK Barmbek (Hille, Lampe) entwickelt, durchgeführt
und auf ihre Effektivität untersucht.
Im Bereich der künstlichen Gefäße arbeitet die TU Hamburg-Harburg
eng mit dem AK Harburg (Imig, Riepe) zusammen. Beim synthetischen Gefäßersatz
kommt es bereits nach ca. 10 Jahren zu Materialdegenerationen, die zur
Beeinträchtigung der Funktion führen können. Eigene Untersuchungen
haben gezeigt, daß die Degeneration im Hüftbereich schneller
voranschreitet, als in anderen Regionen des Körpers. Dies ist bedingt
durch die besonderen anatomischen und mechanischen Belastungen in diesem
Bereich. Im Labor werden diese Belastungen für die am meisten verwendeten
Gefäßprothesentypen simuliert, um deren Verhalten näher
zu untersuchen und erfolgte Designänderungen auf ihre Effektivität
zu überprüfen.
Die Fusion von angrenzenden Wirbelkörpern ist das gebräuchlichste
Verfahren bei vielen Wirbelsäulen und Bandscheibenschäden. Hierbei
ist die Stabilität des verwendeten Fusionssystems von großer
Wichtigkeit. Am Arbeitsbereich Biomechanik werden in Zusammenarbeit mit
dem UK Boberg (Wolter), dem UKE (Delling, Rüther, Rueger) sowie dem
AK St. Georg (Eggers) gebräuchliche Systeme getestet und neue Systeme
entwickelt.
Die Benutzung eines Wasserstrahls als Skalpell bei Bandscheibenoperationen
wurde erstmalig im AK Barmbek (Hille, Honl) eingesetzt. Diese Methode wird
nun zusammen mit dem AB Biomechanik für den Einsatz bei Revisionsoperationen
weiterentwickelt. Wenn der "Austausch" eines alten Implantates notwendig
wird, bereitet die Entfernung auf Grund des möglich kleinen Zuganges
meist große Probleme. Das Hauptziel ist hierbei die Schonung der
verbleibenden Knochensubstanz. Durch die Selektivität des Wasserstrahles
scheint diese Methode hierfür optimal geeignet.

Informationen: Dr. Michael Morlock, Tel. 040/7718-3175

Einladung zu einem Fototermin:     Mittwoch, 15.04.1998,
16.00 Uhr,       Harburger Schloßstr.
36, 21073 Hamburg (Harburg)


TUHH - Pressestelle
Ingrid Holst
E-Mail: pressestelle@tuhh.de
Fax: +49 40 428 78 2366