Studie in Nature Food

Bodendegradation verringert bereits die globale Nahrungsmittelproduktion

23.07.2026

Länder mit der höchsten Anfälligkeit für Ernteverluste infolge von Bodendegradation. Karte: GHI
Länder mit der höchsten Anfälligkeit für Ernteverluste infolge von Bodendegradation. Karte: GHI

Eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Food veröffentlicht wurde, zeigt, dass Bodendegradation bereits heute messbare Auswirkungen auf die weltweite Nahrungsmittelproduktion hat. Die Ergebnisse unterstreichen den dringenden Bedarf an Investitionen in ein nachhaltiges Bodenmanagement. Das internationale Forschungsteam, zu dem auch Professor Nima Shokri, Direktor des Instituts für Geo-Hydroinformatik (GHI) an der Technischen Universität Hamburg (TUHH), gehört, legt die erste umfassende globale Analyse vor, die quantifiziert, wie sich Bodendegradation auf die Produktivität landwirtschaftlicher Kulturen auswirkt.

Mithilfe hochauflösender globaler Datensätze zu Böden, Bodendegradation und landwirtschaftlicher Produktion stellten die Forschenden fest, dass ein Anstieg der Bodendegradation um jeweils zehn Prozent mit einer Zunahme der Ertragslücke (Yield Gap) um etwa zwei Prozent verbunden ist. Die Ertragslücke beschreibt die Differenz zwischen den Erträgen, die Landwirtinnen und Landwirte derzeit erzielen, und den Erträgen, die unter den jeweiligen lokalen Bedingungen realistisch erreichbar wären.

Jährliche Ernteverluste von rund 20 Millionen Tonnen 

Die Folgen sind erheblich: Weltweit steht Bodendegradation in Zusammenhang mit jährlichen Ernteverlusten von rund 20 Millionen Tonnen, was etwa 52 Billionen Nahrungskalorien entspricht – genug, um rund 71 Millionen Menschen zu ernähren. Darüber hinaus entstehen jährliche Einbußen bei den landwirtschaftlichen Einnahmen in Höhe von etwa vier Milliarden US-Dollar. Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen, die überwiegend auf lokalen Feldexperimenten oder Simulationsmodellen beruhten, liefert diese Studie erstmals globale empirische Nachweise für den Zusammenhang zwischen langfristiger Bodendegradation und landwirtschaftlicher Produktivität über eine Vielzahl unterschiedlicher Anbausysteme hinweg.

„Gesunde Böden sind die Grundlage widerstandsfähiger Ernährungssysteme“, sagt Prof. Nima Shokri, Mitautor der Studie. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Bodendegradation nicht nur ein Umweltproblem ist, sondern auch eine wachsende Herausforderung für die globale Ernährungssicherheit darstellt. Der Schutz und die Wiederherstellung von Böden sollten daher als Investition in die Widerstandsfähigkeit unserer Ernährungssysteme und Volkswirtschaften verstanden werden.“

Auch hochproduktive landwirtschaftliche Systeme sind betroffen

Die Studie identifiziert außerdem geografische Hotspots, in denen die landwirtschaftliche Produktion besonders empfindlich auf Bodendegradation reagiert. Dazu zählen Teile Indiens, Chinas, der Vereinigten Staaten sowie Mittel- und Südamerikas. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass Bodendegradation keineswegs nur ein Problem von Entwicklungsländern ist, sondern auch hochproduktive Agrarsysteme in Industrieländern betrifft.

Die Autorinnen und Autoren plädieren dafür, künftige Agrarpolitiken stärker auf die Verbindung von nachhaltigem Bodenmanagement und Maßnahmen zur Steigerung der Nahrungsmittelproduktion auszurichten. Investitionen in die Wiederherstellung von Böden, konservierende Landwirtschaft sowie ein langfristiges Bodenmonitoring können dazu beitragen, die Ernährungssicherheit zu verbessern und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels zu stärken. Die Studie spiegelt die interdisziplinäre Forschung am Institut für Geo-Hydroinformatik der TUHH wider. Dort entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler innovative Ansätze, um Wasser-, Boden- und Umweltsysteme unter sich verändernden klimatischen Bedingungen besser zu verstehen.

https://www.nature.com/articles/s43016-026-01382-5

 


TUHH - Pressestelle
Elke Schulze
E-Mail: elke.schulze@tuhh.de
Tel.: +49 30601 4040

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