Nicht mehr selber lenken:

Forscher der TUHH revolutionieren autonomes Fahren von Autos.

01.04.2015

Robi, fahr schon mal den Wagen vor.
Robi, fahr schon mal den Wagen vor. Foto: TUHH / Gabi Geringer

Der Verkehr der Zukunft wird für die Autofahrer immer anstrengender und hektischer. Umso intensiver wird an Lösungen für das autonome Fahren und Lenken gearbeitet. Die Institute für Steuern und Regeln sowie Marketing komplexer technischer Systeme der Technischen Universität Hamburg (TUHH) haben nun in einem interdisziplinären Forschungsprojekt vollkommen neue Perspektiven für das autonome Lenken von Fahrzeugen vorgestellt: Anstelle von Menschen übernehmen humanoide Roboter das Steuer.

"Aus gutem Grund haben viele Menschen bei dem Thema autonomes Fahren die Furcht davor, das Steuerrad eines Fahrzeugs aus der Hand zu geben. Viele glauben auch, dass zwingend ein humanoider Fahrer am Lenkrad sitzen muss. Wir haben in unserer Marktforschung festgestellt, dass die Automobilindustrie diesem Vorbehalt der Autofahrer unbedingt nachkommen muss", sagt Professor Alexander Liar vom Institut für Marketing komplexer technischer Systeme (MARKTS).

In einem gemeinsamen Projekt wurde nun dieser innovative Ansatz mit dem Institut für Steuern und Regeln (ISUR) erfolgreich umgesetzt.

"Erstmalig ist es uns gelungen, Sicherheitsgefühl, also die Psychologie des Fahrers, und ein technisches System mithilfe neuer humanoider Robotik zu verknüpfen. Herausgekommen ist eine neue Lenkposition, die aus dem Innenraum des Fahrzeugs herausgelöst wird, so Professor Alain Carottier vom ISUR. Der Roboter sitzt auf der Kühlerhaube oder sogar auf dem Stoßfänger.

Parkplatzsuche? Mit dem humanoiden Roboter ist das ganz entspannt.
Parkplatzsuche? Mit dem humanoiden Roboter ist das ganz entspannt. Foto: TUHH / Gabi Geringer

"Wir erzielen mit der Herauslösung der Fahrerzentrale aus dem Innenraum des Fahrzeugs natürlich auch mehr Raumangebot in der Fahrgastzelle. Dieser Raum, gerade in dem Segment der Kompaktklasse, kann nun entweder für weitere Personen genutzt werden oder für den Ausbaus des Komforts: Kaffeeautomaten, Computer- und Videokonsolen, Arbeitsplätze: hier ist fast alles möglich", so Professor Carottier. Vor allem unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit sei es ein Gebot der Stunde, mehr Platz zu schaffen, solange der Individualverkehr überhaupt noch bestehe.

Auch erhöhe die Neuentwicklung die Fahrsicherheit. Mit der neuen Lenkposition wird gegenüber herkömmlichen Sensoren, die meist über dem Fahrzeugdach angebracht werden, ein viel früheres Eingreifen der Systeme möglich: "Wer weiter vorn ist, kann schneller reagieren. Das Bild von der komplexen Verkehrssituation kommt vorn viel schneller an als weiter hinten", sagen die beiden Entwickler unisono. Damit werde die Reaktionszeit zum Lenken und Bremsen im Vergleich zu bisherigen autonomen Fahrzeugen erheblich reduziert.

"Wir wollen aber auch den Aspekt der Freundlichkeit im Verkehr betonen: Die kleinen autonomen Humanoiden sind optisch bereits Sympathieträger. Kleinere Fahrfehler werden denen eher von anderen Verkehrsteilnehmern verziehen, als die Fehler von Menschen am Lenkrad. Roboter kennen keine schlechte Laune", so Professor Liar.

Nach dem erfolgreichen Start der Prototypen geht es nun an die Miniaturisierung des Roboters. Die Übertragung des Lenkimpulses, das Bremsen und Beschleunigen erfolgt drahtlos und kostengünstig über Bluetooth-Schnittstelle zwischen Lenkrad und mechanischen Teilen des Fahrzeugs.

Das Ziel in der Zukunft ist es, den "kleinen Helfer" nun auf die Größe einer Kühlerfigur zu reduzieren.

"Wir können dem gesellschaftlichen Trend zur Individualisierung nachkommen, indem wir eine neue Generation von Lenkrobotern in Form von Kühlerfiguren entwickeln. Damit sind alle Wege offen zu futuristischen Designs oder auch Retro-Figuren, wie sie weiland zum Beispiel als Goddess of Speed, Emily oder Loretta bekannt waren", sagt Professor Liar.

Und auch diese Option wird bereits weiter entwickelt. Autobesitzer könnten sich auch sponsern lassen, indem die Lenk-Humanoiden zum Beispiel Markenaufdrucke tragen oder Fan-Trikots von Sportvereinen.

Noch weiter aber geht die kühne Entwicklung eines Lenk-Cockpits auf der Motorhaube oder den Stoßfängern, natürlich auch mit einem humanoiden Roboter.


TUHH - Public Relations Office
Rüdiger Bendlin
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