Kommunikation während der Vorlesung erwünscht

Anton Schiela, neuer TUHH-Professor für Differenzialgleichungen, unterstützt den mathematischen Diskurs und forscht in der virtuellen Medizin sowie der Medizintechnik

29.10.2013

Anton Schiela, neuer Professor für Differenzialgleichung am TUHH-Lehrstuhl für Angewandte Analysis.
Anton Schiela, neuer Professor für Differenzialgleichung am TUHH-Lehrstuhl für Angewandte Analysis.
Foto: TUHH/Brinkmann

Prof. Dr. Anton Schiela von der TU Berlin hat zum 1. September 2013 einen Ruf an die Technische Universität Hamburg auf eine W2-Professur für Differenzialgleichungen am Lehrstuhl für Angewandte Analysis angenommen. Lehrstuhlinhaber ist Prof. Dr. Marko Lindner. Die neue wissenschaftliche Adresse des 37-jährigen Professors ist das Institut für Mathematik.

"Ich mag gern Vorlesungen halten", sagt Prof. Schiela, der seine ersten öffentlichen Auftritte in TUHH-Hörsälen hinter sich hat. Es sind die Erstsemester aus den Bachelor-Studiengängen General Engineering Science/GES und Computational Informatics, die derzeit bei Schiela hören. Die Vorlesung selbst gestaltet der junge Wissenschaftler pragmatisch, geht es doch darum, den Studierenden die Materie so klar und verständlich wie möglich zu erklären. "Kommunikation während der Vorlesung ist ausdrücklich erwünscht. Dazu gehört neben dem Fragen auch der Diskurs über mathematische Probleme", so Schiela.

Prof. Schiela studierte Technomathematik an der Technischen Universität München. "Als ich studierte war die Technomathematik noch ein Pionierstudiengang, allerdings immer im Kontakt mit Ingenieuren", sagt Schiela. Nach dem Diplom wechselte der Mathematiker an das Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin, kurz ZIB genannt. Er promovierte auf dem Themengebiet "Optimierung mit partiellen Differentialgleichungen" bei Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Deuflhard, einem Experten für Numerische Mathematik sowie Gründer und Leiter des ZIB.

Differenzialgleichungen als solches sind ein sehr großer Teil der Mathematik und zudem einer der anspruchsvollsten. "Sie beschreiben komplexe physikalische Prozesse. Wir entwickeln numerische Algorithmen, die zur Optimierung von diesen Prozessen beitragen", erklärt Schiela. Er nennt ein Beispiel aus der virtuellen Medizin: die Krebstherapie Hyperthermie. Schiela: "Dabei wird das Tumorgewebe durch Hitzeeinwirkung geschwächt. Allerdings besteht die Gefahr, dass auch gesundes Gewebe angegriffen wird. Das lässt sich nur vermeiden, wenn der Therapeut die Wärmeentwicklung genau dosieren und steuern kann." Mit dieser Frage beschäftigte sich Anton Schiela und entwickelte mathematische Algorithmen, mit deren Hilfe sich die Wärmeverteilung optimieren lässt. "An diesem Projekt habe ich schon während meiner Postdoc-Phase am ZIB gearbeitet." Das Abschlusspaper ist 2012 erschienen. Im Anschluss daran lehrte er eineinhalb Jahre an der TU Berlin.

Auch aus der Medizintechnik hat Schiela ein Projekt an die TUHH mitgebracht: Optimierung von Knieimplantaten. "Das ZIB hat einen starken Fokus auf die Medizintechnik gelegt. Gleiches gilt für die TUHH mit ihrem Forschungsschwerpunkt "Regeneration, Implantate und Medizintechnik", was dazu beiträgt, dass ich mich hier mit meinem Forschungen sehr gut aufgehoben fühle."

Ebenfalls beackert Schiela mathematisch abstraktere Themenfelder, in denen Analysis und Algorithmen von Bedeutung sind. "Dabei ist es wichtig, dass man Mathematik macht, die dazu führen soll Algorithmen zu verbessern, bzw. etwas lösbar zu machen, das vorher unlösbar war. Es ist sehr schön zu sehen, was man mit der Mathematik machen kann und sie aus der Theorie zurück in die Anwendung fließt."

Prof. Schiela lebt mit seiner Familie in Lüneburg. Früher habe er viel Klavier gespielt, so der Mathematiker, für den das Miteinander von Wissenschaft und Musik Normalität ist: "Beides erfordert Geduld und Hartnäckigkeit." Ist es doch so, dass dem Rhythmus, dem Takt und der Harmonie der Töne mathematische Verhältnisse zugrunde liegen.



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