Honorarprofessur für Dr.-Ing. Rüdiger Siechau

08.07.2013

Honorarprofessor Dr.-Ing. Rüdiger Siechau während seiner Antrittsvorlesung
Honorarprofessor Dr.-Ing. Rüdiger Siechau während seiner Antrittsvorlesung
Foto: TUHH/Bittcher

"Er ist geradezu prädestiniert, Wissenschaft und Praxis zusammenzubringen und jungen Menschen seinen großen Erfahrungsschatz zu vermitteln", sagt Staatsrat Holger Lange von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt.

Die Technische Universität Hamburg hat eine Honorarprofessur im Studiendekanat Verfahrenstechnik an Dr.-Ing. Rüdiger Siechau verliehen, einem ausgewiesenen Experten aus dem Bereich der Abfallwirtschaft. Bereits 1999 erhielt Siechau seinen ersten Lehrauftrag an der TUHH. Seitdem überzeugt er mit praxisnahen Vorlesungen über aktuelle Themen der Abfallwirtschaft. Das Studiendekanat Verfahrenstechnik ist ihm zur zweiten Heimat geworden, seine Vorlesungen haben sich derweil zu Klassikern entwickelt. Auch hauptberuflich begleitet den Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsleitung der Stadtreinigung Hamburg die Thematik rund um Abfall und Mülltonne.

Weil Umweltschutz, Energie und Abfall ebenfalls an der TUHH eine wichtige Rolle spielen, die "Green Technologies" als eines von drei Kompetenzfeldern an der TUHH mit den Forschungsbereichen Regenerative Energien, Systeme - Speicher - Netze sowie Wasser- und Umwelttechnik einen Schwerpunkt der Universität bilden, passt Ingenieur Rüdiger Siechau hervorragend auf den Campus und in den Vorlesungssaal. "Wir sind eine nachhaltige Universität und der Umweltschutz spielt bei uns eine große Rolle. Unter dem Dach der Green Technologies entwickeln Wissenschaftler an der TUHH Innovationen für den Klimaschutz und die Energiewende, beides drängende Probleme unserer Zeit. Ihr Thema, lieber Herr Siechau, passt zu uns", hieß TUHH-Präsident Garabed Antranikian den neuen Honorarprofessor im Audimax II der Technischen Universität willkommen und verlieh der Kapazität in feierlichem Rahmen und in Anwesenheit zahlreicher Gäste die akademische Würde.

von rechts: Prof. Dr.-Ing Martin Kaltschmitt, Prof. Dr.-Ing. Kerstin Kuchta, Prof. Dr.-Ing. Rüdiger Siechau, Prof. Dr.-Ing. Martin Faulstich, TU-Präsident Garabed Antranikian und Staatsrat Holger Lange, Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt
von rechts: Prof. Dr.-Ing Martin Kaltschmitt, Prof. Dr.-Ing. Kerstin Kuchta, Prof. Dr.-Ing. Rüdiger Siechau, Prof. Dr.-Ing. Martin Faulstich, TU-Präsident Garabed Antranikian und Staatsrat Holger Lange, Behörde für
Stadtentwicklung und Umwelt
Foto: TUHH/Bittcher

Staatsrat Holger Lange von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt dazu: "Seit 18 Jahren an der Spitze der Stadtreinigung Hamburg hat Herr Professor Siechau maßgeblich dazu beigetragen, dass sich das Unternehmen heute als Vorreiter in Sachen nachhaltiger und ressourcenschonender Abfallwirtschaft präsentiert. Herr Professor Siechau ist ein Visionär mit dem Sinn fürs Machbare. Damit ist er geradezu prädestiniert, Wissenschaft und Praxis zusammenzubringen und jungen Menschen seinen großen Erfahrungsschatz zu vermitteln."

Rüdiger Siechau, geboren in Recklinghausen, studierte Maschinenbau an der RWTH Aachen und promovierte mit Auszeichnung am Institut für Reaktorwerkstoffe. In seiner Antrittsvorlesung "Kreislaufwirtschaft zur Ressourcenschonung - Stand, Perspektiven, Herausforderung" gönnte Siechau seinem Publikum einen Blick zurück in die Geschichte der Abfallwirtschaft der Hansestadt, die bereits 1886 die erste Müllverbrennungsanlage auf dem europäischen Kontinent eröffnete. Allerdings, "die Anlage konnte sich damals nicht gegen das allgemeine Vorurteil, Müllverbrennung sei Teufelszeug, durchsetzen."

Ob Recycling-Offensive für die Umwelt oder Müll-Diät - heute weiß sich die Stadtreinigung in Szene zu setzten und agiert erfolgreich hinsichtlich der Reduzierung des Abfalls in der Millionenstadt. "Jetzt treten wir in das Zeitalter der stofflichen Nutzung ein und wollen eine Abfallressourcenplanung", klärte Siechau die Gäste auf. Dazu zählt unter anderem die Abfallvermeidung, mit der sich nicht nur Hamburger Bürger schwer tun, denn so Siechau, "Abfallvermeidung hat es bisher nicht gegeben. Deshalb rücken Recycling und Verwertung in den Vordergrund." Führt doch die Trennung des Abfalls zur Müllvermeidung, frei nach dem Motto der Stadtreinigung: "Der günstige Abfall ist jedenfalls der, der gar nicht erst entsteht."

An der TUHH ist die Verbindung von universitärer Forschung und Umweltschutz bereits an der Tagesordnung: So hält Professorin Kerstin Kuchta vom Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft seit 2011 eine Stiftungsprofessur der Stadtreinigung Hamburg für Abfallressourcenwirtschaft und forscht auf dem Gebiet der Gewinnung von Sekundärrohstoffen aus Abfällen. In Zusammenarbeit mit Nachwuchswissenschaftlerinnen entwickelt sie Verfahren zur Rückgewinnung von Edelmetallen wie Gold und von seltenen Erdmetallen aus Elektroschrott - etwa alten Handys und Laptops. Kuchta hob neben den unkonventionellen Wegen, die Siechau im Bereich der Abfallwirtschaft beschreitet, auch dessen praxisorientierte Lehre hervor: "Professor Siechau praktiziert Green Technologie. In der Lehre implementiert er neue Lehrmethoden und geht nah an die Studierenden ran."

Nachdem Prof. Martin Kaltschmitt, Leiter des Instituts für Umwelttechnik und Energiewirtschaft, einen ungewöhnlich witzigen und die Gäste erheiternden Einblick in den Lebenslauf des neuen Honorarprofessors gegeben hatte, referierte Prof. Dr. Martin Faulstich, CUTEC Institut, Technische Universität Clausthal, über die "Energiewende in Deutschland - Welche Rolle kann die Abfallwirtschaft spielen?" Ziemlich weit weg sei man von einer nachhaltigen Gesellschaft, so das Resümee des Professors. Die Energiewende bezeichnete er als Apolloprojekt des 21. Jahrhunderts. Seine Erkenntnis: "Der Einsatz von 100 Prozent Erneuerbarer Energien ist auf lange Sicht günstiger als ein nuklear-fossiles System."


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