Mit Langstreckenlauf und Tanz in die Karriere

Ein Porträt

23.04.2013

Der passionierte Salsa-Tänzer, Ernesto Isaac Ramirez Silva, studiert seit 2011 im englischsprachigen Masterstudiengang Information & Media Technologies und macht parallel dazu seinen MBA am NIT.
Der passionierte Salsa-Tänzer, Ernesto Isaac Ramirez Silva, studiert seit 2011 im englischsprachigen Masterstudiengang Information & Media Technologies und macht parallel dazu seinen MBA am NIT. Foto: TUHH/El Jobeili

Im Rahmen der Südamerika-Reise von TUHH-Präsident Professor Garabed Antranikian, wird an diesem Dienstag das erste Übersee-Chapter für Alumni der TUHH in Mexiko City gegründet. Mit 63 eingeschriebenen Studierenden ist die mexikanische Studierendenschaft - nach Indien, der Türkei und China - die viertgrößte an der Technischen Universität Hamburg. Der 29-jährige Ernesto Isaac Ramirez Silva ist einer von diesen 63 Studierenden, die den langen Weg bis nach Hamburg gefunden haben.

Seit Monaten arbeitete Ernesto Isaac Ramirez Silva auf den Hamburg-Marathon hin. Das hieß regelmäßiges Training, allen Wetterwidrigkeiten zum Trotz. Im Winter bei Minusgraden mit gefrorenen Haarspitzen, aber stets mit Ehrgeiz und Leidenschaft, zwei Eigenschaften, die den 29-jährigen Mexikaner tagtäglich antreiben. Im Laufe der zwei Jahre, die er bereits in Deutschland lebt, hat sich daraus eine Tradition entwickelt: Ein Marathonlauf für ein Semester. In Mexiko City hat er bereits an zwei Marathons teilgenommen. Am vergangenen Sonntag lief er nun zum sechsten Mal und stellte mit 04:10:34 einen eigenen neuen Rekord auf.

Vor zwei Jahren entschied sich Ernesto Isaac Ramirez Silva seine Heimatstadt Mexiko City zu verlassen, um an der Technischen Universität Hamburg und dem Northern Institute of Technology Management (NIT) den doppelten Masterstudiengang zu belegen. "Damals war ich auf einer Studienmesse für internationale Studiengänge, auf der auch die Technische Universität Hamburg vertreten war. So habe ich die TUHH kennengelernt." Heute studiert er an der TUHH den englischsprachigen Masterstudiengang Information and Media Technologies und macht zeitgleich am NIT den MBA. Finanzielle Unterstützung erhält der engagierte Student von einer der wichtigsten staatlichen Einrichtungen in Mexiko, dem Nationalen Rat für Wissenschaft und Technologie (CONACYT), sowie vom DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst).

Beim Hamburg Marathon am vergangenen Sonntag machte der TUHH-Student eine gute Figur und stellte sogar einen eigenen neuen Rekord auf.
Beim Hamburg Marathon am vergangenen Sonntag machte der TUHH-Student eine gute Figur und stellte sogar einen eigenen neuen Rekord auf. Foto: Ramirez Silva

Bereits während seines Informatikstudiums am Instituto Politécnico National in Mexiko Stadt hatte Ernesto erste Berührungspunkte mit Deutschland: "Der Großteil, der für mein Informatik-Studium relevanten Literatur war entweder auf Russisch oder Deutsch", erzählt er. "Das hieß entweder Deutsch oder Russisch lernen." Er entschied sich für Deutsch und ebnete sich so seinen Weg nach Hamburg. Nach seinem Bachelor-Studium arbeitete er vier Jahre für Hewlett Packard (HP) sowie für International Business Machines (IBM) und auch dort schien das Thema Deutschland immer präsent zu sein: "Bei HP hatte ich viele Kollegen aus unterschiedlichen Ländern. Von all diesen Nationen haben die Deutschen den größten Eindruck bei mir hinterlassen", erzählt Ernesto Isaac Ramirez Silva. Zwei Jahre später hat sich der engagierte Student gut in Hamburg eingelebt und diese Stadt lieben gelernt. "In Deutschland habe ich bereits 18 Städte besucht", erzählt Ernesto, "aber keine hat mir so gut gefallen wie Hamburg". Einen Teil dazu trägt auch sein Studium an der TUHH und dem NIT bei, denn hier engagiert sich der leidenschaftliche Salsa-Tänzer auch über seine Kurse hinaus. Vor einem Jahr gründete der Student gemeinsam mit anderen lateinamerikanischen Studierenden die Latinos TU AG, die ihn schließlich im Januar 2013 nach Straßburg zum Europäischen Parlament brachte. Dort stellte er im Rahmen eines dreitägigen Symposiums, das von CONACYT für mexikanische Studierende aus ganz Europa organisiert wurde, in einer halbstündigen Rede die Latinos TU AG vor. "Vorab hatte ich einen Artikel eingereicht, mit dem ich mich gegen Master-Studierende und Doktoranden aus ganz Europa durchsetzen konnte", erzählt der 29-Jährige stolz. "Innerhalb meiner Rede habe ich erklärt, wie man eine AG gründen kann, wie die einzelnen Abläufe aussehen und auf was für Probleme man stoßen kann." Ungefähr 200 Studierende aus zirka 9 Ländern Europas konnten sich dabei ein Bild von der Latinos TU AG an der Technischen Universität Hamburg machen. Eine einmalige Erfahrung, die er so schnell nicht vergessen wird.

An das Leben in Deutschland hat sich Ernesto bereits gewöhnt. Was er jedoch vermisst sind die vielen Menschen, die sich nach der Arbeit auf den Straßen vor ihren Häusern tummeln und das Leben genießen. Auch Familie, Freunde, das Essen und das warme Wetter sind Dinge, die ihm oft fehlen. Doch um sich ein Stück Heimat zu bewahren, hat der Student seine größte Leidenschaft mit nach Deutschland gebracht. Seit einer Woche bietet der passionierte Salsa-Tänzer im Rahmen der Latinos TU AG einen kostenlosen Salsa-Tanzkurs für die Studierenden der TUHH an. "In Mexiko war ich mindestens zwei bis drei Mal die Woche tanzen", erzählt Ernesto, "deshalb musste ich das hier unbedingt fortführen". Zur ersten Tanzstunde kamen immerhin knapp 30 Studierende. "Wir arbeiten nun auf das Sommerfest hin, denn dort wollen wir eine kleine Salsa-Choreographie präsentieren", gibt er preis.

Im nächsten Jahr wird der sportliche TUHH-Student wahrscheinlich sein Studium abschließen. Was danach kommt, kann er noch nicht sagen. Gerne würde er erst einmal Berufserfahrung in Deutschland sammeln, am liebsten bei einem internationalen Sportbekleidungsunternehmen. "Informatiker werden schließlich auch dort gebraucht", sagt Ernesto Isaac Ramirez Silva.

Bis dahin versucht der vielseitige Mexikaner etwas von seinem Salsa-Feuer auf die anderen Studierenden überspringen zu lassen und der nächste Marathon kommt auch bestimmt: "Das nächste Mal werde ich in Berlin laufen", erzählt Ernesto bereits jetzt. Dort findet im September der 40. BMW Berlin-Marathon statt.

See also: http://www.nithh.de/media/n ... am-europaeischen-parlament/


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