Eine Frau an der Spitze der Mathematik: Sabine Le Borne von Tennessee an die TU Hamburg

07.12.2012

Prof. Dr. rer. nat. Sabine Le Borne
Prof. Dr. rer. nat. Sabine Le Borne
Foto: TUHH/Institut für Mathematik

Mit drei neuen Lehrstühlen in einem eigens gegründeten Institut sowie einem neuen Studiengang Technomathematik stärkt die Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH) ihre Mathematik und damit einen zentralen Bereich in der Forschung und Lehre der Ingenieurwissenschaften. Dort steht Prof. Dr. rer. nat. Sabine Le Borne seit wenigen Monaten an der Spitze des Lehrstuhls für Numerische Mathematik. Vor ihrer Rufannahme an die TUHH war die promovierte Mathematikerin elf Jahre Professorin an der Tennessee Technological University (TTU) in den USA.

Zurück in ihrer norddeutschen Heimat forscht und lehrt die gebürtige Lübeckerin in Hamburg an der TU. Ihr Schwerpunkt am Institut für Mathematik liegt in der Entwicklung, Untersuchung und Implementierung numerischer Methoden mit Anwendungen in der Strömungsmechanik. Strömungsprobleme treten außer im Flugzeug- und Schiffbau auch in der Verfahrenstechnik (Feststoffverfahrenstechnik und Partikeltechnologie) sowie in anderen ingenieurwissenschaftlichen Feldern auf. Mit Hilfe der Mathematik werden diese physikalischen und technischen Prozesse simuliert, zum Beispiel durch die Modellierung mit partiellen Differentialgleichungen sowie der Erstellung entsprechender Lösungsalgorithmen. Dabei sind oft lineare Gleichungssysteme von großer Dimension zu lösen.

Die Expertise der Hamburger Mathematikprofessorin liegt dabei besonders in iterativen Verfahren für große Gleichungssysteme, bei denen schrittweise die oft weit mehr als eine Million Gleichungen mit ebenso vielen Unbekannten gelöst werden müssen. "Es ist faszinierend zu beobachten, wie nicht allein die Rechner immer leistungsstärker werden, sondern zugleich auch die mathematischen Methoden einen mindestens ebenso großen Beitrag zur Beschleunigung der Rechnungen leisten und damit auch immer neue, komplexere Anwendungen in Angriff genommen werden können", sagt Le Borne, die bei der Bewältigung dieser Aufgaben die so genannten hierarchischen Matrizen einsetzt. Dieses neue numerische Verfahren erlaubt die Kompression von Daten ohne wesentlichen Informationsverlust sowie deren Weiterverarbeitung.

Sabine Le Borne studierte in Kiel an der Christians-Albrecht-Universität (CAU) Mathematik und war anschließend bei SAP als Software-Ingenieurin tätig. 1999 promovierte sie an der CAU nach einem einjährigen Auslandsaufenthalt 1995/96 als DAAD-Doktorandenstipendiatin in San Diego. Es folgten zwei Postdoc-Jahre an der CAU in Kiel sowie am Max-Planck-Institut (MPI) für Mathematik in den Naturwissenschaften in Leipzig. In diese Zeit fiel die Geburt ihrer beiden heute schulpflichtigen Kinder. 2001 ging Dr. Sabine Le Borne an die TTU. 2007 und 2010 hatte die junge Wissenschaftlerin im Rahmen von zwei Forschungssemestern am MPI Leipzig sowie der CAU Kiel Gelegenheit, sich besonders intensiv ihrem Spezialgebiet zu widmen, den hierarchischen Matrizen.

2011 folgte Le Borne der Einladung, ein Jahr als Programm-Direktorin bei der National Science Foundation zu arbeiten, das ist die US-amerikanische Forschungsgesellschaft vergleichbar der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Die Organisation der Begutachtung von Drittmittelanträgen im Bereich des Wissenschaftlichen Rechnens zählte dort zu ihren Aufgaben. "Dabei erhielt ich einen Einblick in viele verschiedene, weit über mein Gebiet hinausreichende Forschungsbereiche in einem sehr internationalen Umfeld mit Kollegen und Kolleginnen aus Italien, Kanada, China, Indien, UK, Irland, Polen und selbstverständlich den USA," erinnert sich die Mathematikerin.

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