Biogas aus Pferdemist

Doktorandin der TU Hamburg geht online ins Rennen um Forschungsgelder

21.11.2012

Saskia Oldenburg.
Saskia Oldenburg.
Foto: privat

Einen - noch - höchst ungewöhnlichen Weg zur Forschungsfinanzierung beschreitet Saskia Oldenburg. Die Doktorandin am Institut für Energiewirtschaft und Umwelttechnik wirbt im World Wide Web um Spendengelder in Höhe von 10 000 Euro für die Forschung und den Bau einer Anlage zur Aufbereitung von Pferdemist für die Biogasproduktion. Sie gehört damit zu den ersten deutschen Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern, die es wagen, mit dieser relativ neuen Methode der Geldbeschaffung, dem so genannten Crowdfunding, ihr Forschungsprojekt zu verwirklichen.

Die 28-Jährige ist guten Mutes, Internetnutzer überzeugen zu können, in ihrem Fall in die Wissenschaft zu investieren. Mit 5 Euro gehört man bereits zum Kreis ihrer Kapitalgeber. Bei einem Einsatz zum Beispiel von 500 Euro winkt dem Spender ein in Acrylglas gegossener Pferdeapfel als Dankeschön. Im Mittelpunkt dieser ungewöhnlichen Werbung in eigener Sache steht ein Film, mit dem das dreiköpfige TU-Team aus Hamburg mit Saskia Oldenburg sowie den Studierenden Florian Haberland und Verena Höck heute an den Start und auf Promotion-Tour geht: http://www.sciencestarter.de/pfen

Ob die Aufbereitungsanlage für die energetische Nutzung von Pferdemist später einmal tatsächlich im industriellen Maßstab gebaut und danach in jeder Biogasanlage angeschlossen und zum Einsatz kommen wird, steht und fällt mit der Spendenbereitschaft der Internetnutzer. "Die Uhr läuft - bis zum 20. Februar 2013. "Nur wenn die 10 000 Euro auch tatsächlich zusammenkommen, fangen wir an, den Prototyp im Technikumsmaßstab zu bauen", sagt Saskia Oldenburg.

Saskia Oldenburg.
Saskia Oldenburg.
Foto: privat

Selbst Reiterin, ist die studierte Energie-und Umweltingenieurin fest überzeugt, mit ihrer Idee ins Schwarze getroffen zu haben und mit ihrem Projekt verschiedene Zielgruppen anzusprechen. Ökologen dürfte überzeugen, dass damit Treibhausgase vermieden und der Anbau der umstrittenen Energiepflanzen für Biogasanlagen reduziert werden kann, im Endeffekt fossile Energieträger eingespart werden können. Den Betreibern der etwa 6 000 Biogasanlagen in Deutschland stünde mit aufbereitetem Pferdemist ein neues Substrat zur Verfügung, das verlässlich und zudem kostengünstig die Produktion gewährleisten könnte. Landwirte dürften sich darüber freuen, dass damit eine Lösung für die Entsorgung der seit Jahren ansteigenden Masse an Pferdemist gefunden werden könnte, ein bislang kaum beachtetes energetisches Potenzial. Auch die Reiter würden profitieren, denn sie werden für die Lagerung des Pferdemists inzwischen kräftig zur Kasse gebeten.

Saskia Oldenburg ist optimistisch, und hofft mit Spendengeldern den Prototyp einer Aufbereitungsanlage für Pferdemist konstruieren und bauen zu können. In dieser würden dann Pferdeäpfel von Stroh, Sand, Hufeisen und anderen Stoffen getrennt werden. Grundsätzlich könnte eine solche Anlage auch für die Verwandlung anderer, bisher nicht nutzbarer Substrate in umweltfreundliche Energie genutzt werden. "Das Ziel ist die Entwicklung eines Aufbereitungskonzepts für Pferdemist, welches die (Co-)Vergärung in einer konventionellen Biogasanlage ermöglicht. So wird es möglich, den Pferdemist direkt in die Biogasanlage einzubringen, ohne die Technik kostenintensiv anzupassen."

Für die Doktorandin der TU Hamburg, Saskia Oldenburg, hat die Teilnahme am ersten deutschen wissenschaftlichen Crowdfunding-Vorhaben, gefördert unter anderem von "Wissenschaft im Dialog" noch eine ganz andere Seite: "Mit dem Pferdemist-Projekt wollen wir erstmals die Möglichkeiten der Social Media zur Förderung und Verbreitung von Forschungsvorhaben testen." Professorin Kerstin Kuchta vom Institut für Energiewirtschaft und Umwelttechnik ist begeistert vom Elan und Mut ihrer Doktorandin im Dienst der Wissenschaft sowie dem Ideenreichtum, der sich auch im Film widerspiegelt. "Zweifelsohne ist es ein Wagnis, im Internet die Abstimmung über die Zukunft eines Forschungsvorhabens stattfinden zu lassen. Gleichwohl werden die Ergebnisse zeigen, was den Menschen wirklich wichtig ist."

Für Rückfragen:

TU Hamburg-Harburg
Institut für Energiewirtschaft und Umwelttechnik
Prof. Dr.-Ing. Kerstin Kuchta/ Saskia Oldenburg
Tel. 040/ 42878-3054/2522
E-Mail: kuchta@tuhh.de
saskia.oldenburg@tuhh.de


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