"Blick ins Eis"

Erster Teil der Serie zum ThyssenKrupp IdeenPark

27.07.2012

Dr. Martin Jenett und Dr. Carlos Cardenaz beim Aufbau des Messgeräts in der Antarktis etwa 1000 Kilometer entfernt vom Südpol
Dr. Martin Jenett und Dr. Carlos Cardenaz beim Aufbau des Messgeräts in der Antarktis etwa 1000 Kilometer entfernt vom Südpol
Foto: TUHH/Jenett 
 

Mit Radargeräten dem Klima auf der Spur sind Forscher der Instituts für Hochfrequenztechnik an der Technischen Universität Hamburg

Vom 11.bis 23. August findet der ThyssenKrupp IdeenPark in der Messe Essen und im Gruga Park statt. Der IdeenPark will für Technik und Innovation begeistern, technische Kreativität fördern und die Bedeutung technischer Neuerungen für die Zukunft erlebbar machen. Hintergrund: Die Weltbevölkerung wächst, das Klima verändert sich, der Rohstoffverbrauch nimmt zu und die Ressourcen werden knapper. Nur verantwortungsvolle und gut ausgebildete Menschen werden in der Lage sein, diese Aufgabe zu bewältigen.

Sechs Institute der Technischen Universität Hamburg-Harburg werden ihre Erfindungen und Projekte auf dem Gipfeltreffen für Technik und Bildung im Herzen des Ruhrgebietes präsentieren. Eine sechsteilige Serie an dieser Stelle möchte die Zeit bis zur Eröffnung des IdeenParks verkürzen, hinter die Kulissen der jeweiligen Institute schauen, die Lust an Technik und am IdeenPark wecken. Vom "Blick ins Eis", dem "Großen Flattern" bis hin zum "Flug auf den Mond" - ein Klick auf die neu gestaltete Homepage der TUHH lohnt sich in jedem Fall!

Es gibt keine verlässliche Aussage über die globalen Eismassen. Schmilzt das Eis an den Polen oder nicht und was kommt auf die Menschheit zu? Um dieser Frage ein Stück weit auf den Grund zu gehen, entwickelten TUHH-Forscher aus dem Institut für Hochfrequenztechnik bereits in den 90er Jahren eine Radargerät zur Vermessung der Eisbedeckung an den Polen. Zwar ist das Ausmaßder polaren Eiskappen bekannt, nicht jedoch deren Mächtigkeit und internen Schichtungen sowie das in weiten Teilen der Antarktis und Arktis noch unbekannte Gelände unterhalb der Eisoberfläche.

Martin Jenett (links) und Jürgen Winkelmann justieren eine Breitband-Antenne
Martin Jenett (links) und Jürgen Winkelmann justieren eine Breitband-Antenne
Foto: TUHH/Jupitz

Mit denen von den Diplom-Ingenieuren Dr. Martin Jenett und Jürgen Winkelmann gebauten Radargeräten lassen sich bis zu 4000 Meter dicke Eisbedeckungen vermessen. Der Auftrag dafür kam vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI). Dessen Polarforscher benötigten ein Gerät zur Messung der Eisdicke. Jenett und Winkelmann lieferten ein Eisdicken-Radar und montierten deren Antennen unterhalb der Flügel eines Forschungsflugzeugs des AWI. "Die großen Flächen der Polgebiete lassen sich am effektivsten aus der Luft vermessen", so der Techniker Jenett. Alle 50 Millionstel Sekunden feuert das Gerät ein Messsignal ab. Die elektromagnetischen Wellen breiten sich in Richtung des Eises aus und werden von der Eisoberfläche, einzelnen internen Schichten und vom Eisuntergrund reflektiert. "Das Signal breitet sich mit etwa zwei Drittel der Lichtgeschwindigkeit aus und misst eine Eisdicke von 4000 Metern in rund 48 Mikrosekunden. Dieses System haben wir in den letzten Jahren immer weiter entwickelt, so dass wir heute Schichtabstände im Eis von unter 50 Zentimetern darstellen können", sagt Jenett, " die Aufzeichnungen zeigen schließlich neben dem Untergrund auch die verschiedenen Eisschichten.

Im IdeenPark von ThyssenKrupp in Essen wird den Besuchern ein Eisradar vorgeführt, mit dem modellhafte Messungen auf Kabeln unterschiedlicher Länge demonstriert und deren Ergebnisse in Echtzeit auf dem Bildschirm des Messrechners angezeigt werden. Interessierte Besucher können beim Verändern der Kabellängen direkt die entsprechenden Änderungen der Messergebnisse erkennen und überprüfen. Um einen Eindruck von der Arbeit im Eis zu geben, werden zusätzlich ein Film sowie Bilder vom Einsatz der Messgeräte in Arktis und Antarktis zu sehen sein. Die Bilder zeigen unter anderem, wie die TU-Forscher bei einer Testkampagne in der Antarktis ein Radargerät auf einem mit Skiern ausgerüsteten Gestell kilometerweit zu Fuß über Eis und Schnee ziehen.


TUHH - Pressestelle

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