Keine Kunst ohne Technik

TU Hamburg prüft Statik der Deichtorhallen Hamburg für Gormley Installation

23.04.2012

Professor Viktor Sigrist auf der schwebenden Plattform des Künstlers Antony Gormley in den Deichtorhallen Hamburg.
Professor Viktor Sigrist auf der schwebenden Plattform des Künstlers Antony Gormley in den Deichtorhallen Hamburg.
Foto: TUHH

Auch die Kunst braucht die Technik, oft ist das Wissen der Ingenieure sogar Voraussetzung, um künstlerische Absichten realisieren zu können. Ein aktuelles Beispiel in Hamburg ist Antony Gormleys „Horizon Field Hamburg“ in den Deichtorhallen. Im Zentrum steht eine sieben Meter über dem Erdboden schwebende Installation, die bis zu 100 Besuchern Platz bietet. Der Eröffnung der bis 9. September gezeigten Ausstellung, am 26. April, gingen monatelange Vorarbeiten – darunter umfassende statische Berechnungen voraus. Diese Aufgabe hat pro bono die TU der Hansestadt Hamburg übernommen.

Denn auch technisch ist dieses Kunstwerk eine Herausforderung. Von der 1914 gebauten ehemaligen Hamburger Großmarkthalle, in der seit 1985 Kunst gezeigt wird, gab es weder eine Statik noch detaillierte Konstruktionspläne. „Damit diese schwebende Plattform sicher hängt, mussten die Abmessungen der Halle überprüft und die Werkstoffeigenschaften neu bestimmt werden,“ sagt Viktor Sigrist. Der Professor für Tragwerkslehre und Vizepräsident für Strukturfragen an der TU Hamburg-Harburg (TUHH) war an der Realisierung des ungewöhnlichen Vorhabens von Anfang beteiligt und gehörte auch zu den Teilnehmern der Werksitzungen mit dem englischen Künstler.

Die an acht Drahtseilen am Dach befestigte Installation besteht aus einer unterspannten Holz-Hohlkörperdecke und soll frei im Raum schwebend zu neuen Erfahrungen einladen. „Damit die Plattform sicher hängt, musste in den Berechnungen auch das Schaukeln und Vibrieren berücksichtigt werden,“ sagt Oliver Chyra, Doktorand am Institut für Tragwerkslehre der TU Hamburg. Dass der Boden sich permanent in leichter Bewegung befindet, ist eine der künstlerischen Absichten von „Horizon Field Hamburg.“ Der Besucher wird, wie Antony Gormley es formuliert, so vor die Wahl gestellt: „You can stay in an underworld or climb to Heaven.“

An Hamburgs TU hat die Kunst eine wachsende Bedeutung. „Wir ermuntern unsere Studierenden, sich auch mit anderen Denk- und Erfahrungsbereichen auseinanderzusetzen," sagt Professor Viktor Sigrist.


Unter dem Titel "Art & Engineering" bietet Professor Viktor Sigrist mit seinem Team für Studierende, Professoren und Mitarbeiter der TUHH zwei Führungen durch die geschichtsträchtigen Deichtorhallen an, im Verlauf deren die Statik der ehemaligen Großmarkthalle sowie das Kunstwerk "Horizon Field Hamburg" erläutert werden. Die Termine werden noch bekannt gegeben.

Außerdem gibt es zwei öffentliche Führungen zum Thema "Art & Engineering - Tragwerksplanung für die Kunst − Führungen zu Statik und Konstruktion von Deichtorhalle und Skulptur" von Professor Viktor Sigrist, Thomas von Borstel und Oliver Chyra am Samstag, 23. Juni 2012, 14 Uhr und Donnerstag, 30. August 2012, 17 Uhr. Die Führungen sind öffentlich und kostenlos.

http://deichtorhallen.de/index.php?id=269

Für Rückfragen:
TU Hamburg-Harburg
Institut für Massivbau
Prof. Viktor Sigrist
Tel.: 040-42878-3022
E-Mail: sigrist@tuhh.de


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