TU Hamburg: Mit dem Mondmobil auf der Ideen Expo 2011 in Hannover

25.08.2011

Karsten Becker mit Asimov Junior R2
Karsten Becker mit Asimov Junior R2
Foto: TUHH

Zum Mond zu fliegen, davon träumt nicht nur so manches Kind. Auf der Ideen Expo 2011 vom 27. August bis 4. September in Hannover bringt Karsten Becker von der TU Hamburg und das Team der „Part-Time Scientists“ (PTS) diesen Traum allen ein Stück näher. Becker und die Part-Time Scientists haben den Ehrgeiz, bis spätestens Ende 2015 einen fahrenden Roboter auf dem Mond abzusetzen, ihn 500 Meter über die Mondoberfläche zu bewegen und Daten, Videos und Bilder zur Erde senden zu lassen. Außer dem deutschen Team mit Karsten Becker beteiligen sich weltweit weitere 27 an diesem von Google für private Unternehmungen ausgerichteten Wettbewerb „Google Lunar X-PRIZE“. Bis zu 30 Millionen Dollar winken als Preisgeld.

„Auf der Ideen Expo wollen wir Kindern und Jugendlichen demonstrieren, wie spannend und kreativ technische Berufe sein können“, sagt Karsten Becker vom Institut für Rechnertechnologie der TU Hamburg. Der Ingenieur schreibt zurzeit seine Doktorarbeit über einen speziellen sehr schwer zu programmierenden Schaltkreis, so genannte Field Programmable Gate Arrays ( FPGAs), und dessen Einsatz im Weltraum. „Man kann sie sich vorstellen wie Prozessoren, die Programme ausführen. Das Besondere ist, dass FPGAs die Programme nicht hintereinander, sondern gleichzeitig ausführen, wodurch sie leistungsfähiger sind und in bestimmter Hinsicht auch besser“, sagt Becker. Bisher gibt es nur sehr wenige Schaltkreise, die den speziellen Anforderung einer Mondmission gerecht werden. Einen FPGA für Weltraumanforderungen fit zu machen, ist Gegenstand seiner Doktorarbeit.

Die IdeenExpo findet zum dritten Mal auf dem Messegelände Hannover statt, um junge Menschen für Naturwissenschaften und Technik zu begeistern und eine Berufswahl in diesen Bereichen zu fördern. Allein 2009 haben über 280.000 Gäste diese für Besucher kostenlose Veranstaltung besucht.

Das deutsche PTS-Team wird auf der IdeenExpo mit dem jüngsten Prototypen für die Mondmission, Asimov Junior R2, vor Ort sein. Dieses Mondfahrzeug von der Größe dreier Schuhkartons verfügt über drehbare Räder. Die verkleinerte, nur Schuhkarton große Variante von Asimov Junior R2, wird sich per Fernsteuerung mit Hilfe eines Tabloid-PCs über ein Spielfeld von drei mal drei Metern, das die Mondoberfläche abbildet, bewegen. An bestimmten Punkten, die überfahren werden, bekommt man Informationen auf dem Display angezeigt, wie zum Beispiel die Landestelle der Apollo Landefähre oder Namen von Mondkratern. „Im Prinzip genauso, wie es später einmal bei der realen Mondmission geschehen soll, nur, dass dann der Rover von der Erde aus ferngesteuert wird“, sagt Becker.

Die Part-Time Scientists haben ihren Hauptsitz in Berlin. Gründer und Leiter der PTS ist der Fachinformatiker Robert Böhme. Die Hamburger an der TU sind im deutschen Team für die Elektronik zuständig, speziell Karsten Becker für deren Koordination. Bis zu zehn Mitarbeiter und Studenten an der TUHH sind gleichzeitig für das Projekt tätig, davon drei bis vier Studenten fest für ein Semester im Rahmen eines Seminars. „Ich halte häufiger Vorträge an der TU“, erklärt Karsten Becker. „Sobald das Wort ‚Mondmission‘ fällt, finden sich immer Studenten, die sich für das Projekt begeistern und Lust haben, an Lösungen für den R2 mitzuarbeiten.“

Die deutsche Mondmission läuft unter dem Slogan „Hell yeah, it’s Rocket Science“ und hat auf Facebook bereits nahezu 25.000 Freunde. Etwa 100 Forscher aus Deutschland, aber auch Ländern wie Frankreich, Brasilien forschen und arbeiten bei den PTS, und das keineswegs nur in Teilzeit, wie der Name vermuten ließe. Kommuniziert wird untereinander meist über das Internet. Unterstützung bekommen die PTS durch Partnerschaften mit der Industrie, Sponsorings und Kooperationen zum Beispiel mit dem Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. So stellen Unternehmen Know-how, Software-Lizenzen und technische Komponenten zur Verfügung.

Im Ranking aller Teams sind die PTS weit vorn. „Wenn alles gut läuft, schaffen wir die Mondlandung bereits im Sommer 2013“, sagt Becker. Also anderthalb Jahre, bevor die Frist für das Google Lunar X-Prize Projekt am 31.Dezember 2015 endet. Aber zunächst lautet die Mission: möglichst viele junge Menschen auf der Ideen Expo für Technik zu begeistern.

Technische Universität Hamburg-Harburg
Institut für Rechnertechnologie
Prof. Dr. Mayer-Lindenberg/Karsten Becker
Tel.: 040/ 42878-3357
E-Mail: becker@tuhh.de


TUHH - Pressestelle

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