Sozial Schwächere stärker von Verkehrslärm und Abgasen betroffen

Studie der TU Hamburg

08.08.2011

Dr. Philine Gaffron
Dr. Philine Gaffron
Foto: privat

Je niedriger das Einkommen, desto höher die Belastung durch Lärm und Luftschadstoffe. Menschen mit niedrigem Einkommen und Nicht-Deutsche sind stärker den negativen Folgen von Verkehr ausgesetzt, da sie häufiger in Gebieten mit hohem Verkehrsaufkommen wohnen und mehr Zeit als der Bevölkerungsdurchschnitt zu Hause verbringen. Das ist das Ergebnis einer Studie der TU Hamburg. Die Untersuchung am Institut für Verkehrsplanung und Logistik zeigt auch Wege zur Abhilfe auf.

„Auf der Basis dieser statistischen Belege für die Mehrbelastung von sozial schwächer gestellten Menschen in der Freien und Hansestadt Hamburg können Handlungsempfehlungen und Prioritäten für die Lärmminderung formuliert werden“, sagt Dr. Philine Gaffron, Nachwuchswissenschaftlerin an der TU Hamburg Denn anders als in Berlin gäbe es beispielsweise in Hamburg noch keinen konkreten Maßnahmeplan zur Lärmminderung. Die Wissenschaftler werden nun zunächst jene Gebiete in Hamburg ermittteln, die besonders belastet sind und in denen sozial Schwächere leben. Eine wichtige Maßnahme zur Minderung der nicht zuletzt auch gesundheitlichen Belastung wäre nach Meinung Gaffrons die großflächigere Einführung von Tempo-30. Für Entlastung könne außerdem eine Veränderung des Straßenbelags sorgen.

„Technisch werden die Autos zwar immer besser, aber gleichzeitig nehmen der Kraftfahrzeugverkehr und besonders der Schwerlastverkehr in den Städten zu,“ sagt die promovierte Verkehrsexpertin am Institut für Verkehrsplanung und Logistik der TUHH. Dabei könnten Autofahrer auf viele Fahrten verzichten und häufiger auf den öffentlichen Nahverkehr oder das Fahrrad umsteigen. In der Stadt wären sie so oft auch einfach schneller. Letztendlich muss das Ziel sein, den motorisierten Verkehr in Städten zu verringern. Die Ergebnisse ihrer Studie wird die Verkehrsexpertin künftig nutzen, um in ausgewählten Untersuchungsräumen einzelne Straßenkorridore einer weiteren wissenschaftlichen Betrachtung zu unterziehen. Geplant sind Haushaltsbefragungen, in denen unter anderem auch die Wohnstandortwahl näher untersucht wird.

Und wie sähe die ideale Stadt aus? „Zuallererst: Dort stehen die Menschen im Vordergrund nicht die Autos“, sagt Gaffron. Es gäbe einen besser ausgebauten öffentlichen Verkehr, mehr Radwege und Straßenräume, die für Menschen jeden Alters attraktiv wären: Kinder könnten dort ohne Gefahren spielen, ältere Menschen hätten jederzeit Gelegenheit, sich auf einer Bank auszuruhen. Es gäbe allgemein mehr Lebensqualität. Noch aber sind vor allem in städtischen Regionen die Umweltprobleme aber auch die Umweltressourcen – zum Beispiel Grünflächen – sehr häufig nach sozialem Status verteilt.

Die Ergebnisse der Hamburger TU-Studie sind in der aktuellen Ausgabe des UMID-Themenheft des Umweltbundesamtes veröffentlicht.

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