Wie wird aus einer Idee eine Innovation?

Japanischer Gastprofessor an TU Hamburg

01.08.2011

Professor Akio Nagahira (rechts) und Professor Cornelius Herstatt
Professor Akio Nagahira (rechts) und Professor Cornelius Herstatt
Foto: TUHH/Jupitz

Akio Nagahira aus Sendai forscht an der Technischen Universität Hamburg-Harburg zur Open Innovation deutscher und japanischer Unternehmen. Der japanische Wissenschaftler ist bis September Gast am Institut für Technologie- und Innovationsmanagement der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Im Team mit Professor Cornelius Herstatt an der Spitze vergleichen die Wissenschaftler Innovationsaktivitäten deutscher, japanischer und koreanischer Unternehmen noch bevor das Produkt entwickelt ist.

Professor Akio Nagahira von der Tohoku Universität in Sendai ist an der TUHH auch an den Auswertung und Analyse einer Studie unter mehr als 2000 japanischen Unternehmen beteiligt. Nagahira, studierter Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler, leitet in Sendai unweit von Fukushima das Department Management of Science and Technology an der Graduate School of Engineering. Außerdem ist der ehemalige Chef einer japanischen Bank Gastprofessor der Huazhong Universität of Science and Technology der Tsinghua University in China. Die Tohoku Universität in Sendai ist eine Partneruniversität der TUHH.

Beide Forscher, Akio Nagahira und Cornelius Herstatt, arbeiten bereits seit 2002 auf dem Gebiet des Innovationsmanagements zusammen. „Wir konzentrieren uns auf das frühe Stadium von Innovationen in Unternehmen, das ‚Front End’“, sagt Nagahira. Kennzeichen dieser Phase, in der beispielsweise die Ideengenerierung für Produkte oder – Services’ – stattfindet, sei ein hohes Maß an Flexibilität. „Man ist dann noch sehr offen für verschiedene Konzepte“, sagt Herstatt. Diese Phase, sei, richtig genutzt, sehr wichtig für den späteren Erfolg eines Produktes. Bislang aber lägen nur wenige abgesicherte Forschungserkenntnisse vor.

Im Fokus der deutsch-japanischen Forschung steht besonders die Open Innovation: das Einholen von Wissen oder Technologien durch externe Unternehmen, Forschungszentren oder Universitäten. So kooperiert beispielsweise der japanische Elektronikkonzern Sharp, der unter anderem Solarmodule entwickelt, mit den Zuliefererbetrieben bereits in der Phase der Entwicklung eines neuen Produktes. „Das spart Zeit und Kosten“, sagt Herstatt: „Wir wollen nachweisen, dass Firmen, die externes Wissen zu einem frühen Zeitpunkt einholen, nicht allein Zeit und Ressourcen sparen, sondern dass diese Vorgehensweise maßgeblich zum Erfolg des Produktes beiträgt.“ Die befragten 2000 Unternehmen kommen aus sehr unterschiedlichen Branchen: der Automobil-, Chemie-, Medizin-, Elektronik- und Softwareindustrie. Das Ergebnis wird im Spätsommer erwartet. „Es lässt sich bereits jetzt erkennen, dass unsere These gestützt wird“, sagt Nagahira, der im Rahmen des Erasmus Mundus Global Innovation Management Programms an der TUHH forscht und auch Lehrveranstaltungen durchführt.

Nagahira wird sich an der TUHH außerdem mit Studenten und Dozenten über „Green Innovation“, seinen Forschungsschwerpunkt, austauschen:

Der 55-jährige Wissenschaftler will seinen Aufenthalt an der TU Hamburg auch nutzen, um den Norden Deutschlands näher kennenzulernen. Vielleicht auch, um in dieser Zeit ein wenig Abstand von der verheerenden Katastrophe, die im Frühjahr sein Land erschütterte, zu gewinnen. Als am Nachmittag des 11. März 2011 die Erde im Nordosten Japans bebte, saß Akio Nagahira an seinem Schreibtisch im achten Stock der School of Engineering der Tohoku Universität. „Mir war sofort klar, dass dieses Beben schwerer war als jedes zuvor.“ Nagahira wurde verletzt, er brach sich das Fußgelenk und ist noch immer auf einem Auge blind und auf einem Ohr taub. Ein Drittel der 65 Universitätsgebäude der Tohoku Universität in Sendai wurde zerstört. Seminare und Vorlesungen finden inzwischen wieder statt, viele allerdings in provisorischen Bauten. Dozenten und Studenten tragen Helme, denn die Gefahr von Nachbeben ist noch immer groß. Die Angst vor Nachbeben, nuklearer Strahlung, verseuchtem Wasser und verstrahlten Lebensmitteln jedoch bleibt. Vor allem um die junge Generation macht sich Nagahira Sorgen. Etwas Positives jedoch hätte die Katastrophe vielleicht, sagt er. „Wir sind immer sehr verschwenderisch mit Energie umgegangen. Jetzt haben wir die Chance für ein Umdenken.“

Nach dem Beben suchten Akio Nagahira und seine Frau Shizue Zuflucht in einem Evakuierungslager. Drei Wochen verbrachten sie dort. Lebensmittel und Wasser waren nur für drei Tage bemessen und demzufolge rationiert, ebenso wie Heizöl. Fatal, denn die Temperaturen sanken zeitweise bis auf minus sechs Grad. Viele, besonders ältere Menschen starben. Trotz der katastrophalen Situation hat das Ehepaar Nagahira Glück im Unglück: die beiden in Tokyo lebenden Töchter sind wohlauf und ein Teil seines Hauses blieb unversehrt die andere Hälfte wird derzeit wiederaufgebaut.

Für Rückfragen:
TU Hamburg-Harburg
Institut für Technologie- und Innovationsmanagement
Prof. Dr. rer. oec. Cornelius Herstatt
Tel.: 0407 42878-3778
E-Mail: herstatt@tuhh.de


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