Dr.-Ing.: Hendrik Vorhölter macht Schiffen Beine

02.03.2011

Foto: TUHH/Thomas Rokos

Hendrik Vorhölter gehört zu den Ersten. Denn zum ersten Mal in der Geschichte der TU Hamburg-Harburg wird es eine Feier für die Promovierten eines Jahres geben. Zusammen mit 82 weiteren Doktorandinnen und Doktoranden aus 2010 darf der studierte Schiffbauingenieur am 4. März 2011 seine Ehrung entgegen nehmen.

Um 18.30 Uhr wird TUHH-Präsident Edwin Kreuzer die Gäste im Audimax II begrüßen. Die Festrede hält der Vorsitzende des Promotions-Prüfungsausschusses, Otto von Estorff. Und für die Gruppe der Doktoranden, 82 aus 2010, spricht Johanna Peters vom Institut für Modellierung und Berechnung. Die promovierte Ingenieurin ist eine der 15 Promovendinnen des Jahres 2010.

Sicher ein besonderer Moment für alle und auch für den 30-Jährigen Hendrik Vorhölter, der eng mit der TU verbunden ist. Denn für ihn stand nicht nur schon früh fest, was er studieren wird, sondern auch wo: „Ich wollte immer etwas Technisches machen. Doch nicht irgendwo. Hamburg als Standort spielte für mich eine Rolle, aber vor allem war die TU für mich eine interessante Adresse.“ Auf Schiffbau ist er schließlich durch das Segeln gekommen.

Nach dem Studium blieb Hendrik Vorhölter an der TU, als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Entwerfen von Schiffen und Schiffssicherheit, wo er sich mit numerischen Strömungssimulationen im Schiffsentwurf beschäftigte. Hieraus entstand später das Thema für seine Doktorarbeit. Vorhölter erläutert: „Durch die Extrembelastung beim Manövrieren kam es bereits bei Probefahrten von Schiffen zu Beschädigungen an den Antriebsanlagen. Meine Dissertation beschäftigt sich damit, wie man die sich ändernden Zuströmverhältnisse am Propeller analysieren kann und wie man die Ergebnisse später in die Konstruktion und Auslegung der Propulsionsanlage mit einfließen lassen kann.“

Sobunt kann Wissenschaft sein: Henrik Vorhölter mit seinem Doktorhut,der das Thema seiner Doktorarbeit zeigt: die Simulation derBerechnung des Propellerzustroms, nachgebildet aus Legosteinen.
So bunt kann Wissenschaft sein: Henrik Vorhölter mit seinem Doktorhut, der das Thema seiner Doktorarbeit zeigt: die Simulation der Berechnung des Propellerzustroms, nachgebildet aus Legosteinen.
Foto: TUHH/Thomas Rokos

Seit April 2010 ist Hendrik Vorhölter Leiter der Abteilung Forschung & Entwicklung bei der Sietas-Werft in Hamburg-Neuenfelde. Eine Position, die er noch vor Beendigung seiner Doktorarbeit angetreten hat. Eine Doppelbelastung für den jungen Vater von zwei Mädchen im Alter von 3 Monaten und 3,5 Jahren. Seine Familie ist für ihn ein Ausgleich zu seinem herausfordernden Arbeitsalltag. „Wenn ich mich mit meinen Kindern beschäftige, dann kann ich da voll abtauchen, und es sind gerade die einfachen Dinge, die mich wahnsinnig faszinieren.“ Logisch, dass derzeit nicht mehr viel Zeit bleibt für andere Freizeitbeschäftigungen. Gerade mal genug, um ab und zu ein Buch zu lesen. Dann gerne historische Romane, wie die von Petra Oelker. Aber Segeln, das war er schon seit zwei Jahren nicht mehr.

Wenn Hendrik Vorhölter von seiner jungen Familie spricht, spürt man seine Begeisterung. Wenn er über seiner Arbeit redet, seine Leidenschaft. Besonders gefallen ihm die Vielseitigkeit und die immer neuen Herausforderungen. „Das Schiff als technisches Objekt ist für mich immer wieder aufs Neue spannend. Besonders auch im Hinblick auf meine Thematik, die Hydrodynamik. Denn gerade hierin unterscheidet sich ein Schiff von anderen technischen Objekten. Ein anderer Aspekt ist die Effizienz, die man mit einem Schiff erzielen kann. Aus diesem Grund ist ein Schiff für mich als Transportmittel unschlagbar.“

Für seinen Arbeitgeber, die Sietas-Werft, war das letzte Jahr ein schwieriges. Da kam der Auftrag, ein Installationsschiff für die Offshore-Anlagen in der Nordsee zu bauen, gerade richtig. Dieses Schiff, mit dem Windenergieanlagen errichtet werden, ist ein ganz besonderes. „Um die Montagearbeiten in einer Höhe von über 90 Metern sicher ausführen zu können, ist ein sehr großer Kran notwendig. Dieser muss auf einer absolut ruhigen Arbeitsplattform stehen. Das geht nicht auf schwimmenden Einheiten.“ Die Ingenieure der Sietas-Werft fanden schließlich eine geniale Lösung: Ein Schiff, das im Wasser stehen kann. Und sich sogar selbst auf die Beine stellt.

Vorhölter blickt optimistisch in die Zukunft. Der Offshore-Bereich ist ein junger Markt, hier besteht noch viel Bedarf. Privat wünscht er sich vor allem eine gesunde Familie und viele gemeinsame Momente. Beruflich hofft er auf weitere spannende Herausforderungen. Dass er sie meistert, scheint fast sicher. Und vielleicht findet er irgendwann auch wieder Zeit für das Segeln.

Text: Anke Mönning


TUHH - Pressestelle

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