Auf Biegen und Brechen

Balken im Belastungstest: Leichtbau-Praktikum an der TUHH

29.06.2010

Dieser Balken hat schon mal gehalten: Die Maschinenbau-Studenten Peter Böll, Christoph Hermann und Robin Rettberg (von links) begutachten ihr Werstück nach dem erfolgreichen ersten Probelauf.
Dieser Balken hat schon mal gehalten: Die Maschinenbau-Studenten Peter Böll, Christoph Hermann und Robin Rettberg (von links) begutachten ihr Werstück nach dem erfolgreichen ersten Probelauf.

Natürlich wollen sie es krachen lassen. Aber erst zum Schluss, nachdem der Test bestanden und vielleicht sogar ein Sieg im Leichtbau-Konstruktionswettbewerb herausgekommen ist. Die Chancen, gut abzuschneiden, stehen für Peter Böll, Christoph Hermann und Robin Rettberg gar nicht so schlecht. Zumindest hat der von den drei Maschinenbaustudenten eigenhändig fabrizierte Testbalken schon der Prüfung standgehalten, im Drei-Punkt-Biegeversuch locker 9 Kilonewton (kN) getragen und dabei nur ein bisschen geknirscht.

"Jungs, das war eine echte Punktlandung, Respekt", lobt Tutor Martin Schütt das Ergebnis, während das Dreierteam noch etwas ungläubig ihr Probestück bestaunt, das kaum mehr als eine Tafel Schokolade wiegt. Ein bisschen verklebt sieht es aus und leicht grünlich, doch Schönheit steht ja nicht zur Debatte. Das unscheinbare 40 Zentimeter lange Fabrikat aus Faserkunststoffverbund, Schaum und Epoxitharz muss nur zwei Bedingungen erfüllen: "Es soll so leicht wie möglich sein und dabei die vorgegebene Last von 9kN, also 900 Kilo, aushalten, so knapp es eben geht", erläutert Diplom Ingenieur Olaf Rasmussen, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter den Wettbewerb betreut. Welches der vier teilnehmenden Teams den leichtesten und dabei trotzdem stabilen Balken gebaut hat, wird am Dienstag bei den offiziellen Tests im Prüffeld des Instituts für Produktentwicklung und Konstruktionstechnik ermittelt und anschließend mit dem Ferchau-Förderpreis prämiert.

Die Teilnehmer des Leichtbaupraktikums.
Die Teilnehmer des Leichtbaupraktikums.

Der Grill steht schon da, das Bier kommt noch, denn Partystimmung ist erwünscht, wenn die Balken unter die hydraulische Presse kommen. Knapp acht Wochen hatten die Teilnehmer Zeit, eine Lösung zu finden, zuerst mit der Finite-Elemente-Methode und als Simulation am Rechner, dann in der Praxis im Labor. "Die Idee dieses Praktikums und Wettbewerbs ist ja, die Studierenden an die Faserverbundwerkstoffe wie Kohle- und Glasfaser heranzuführen", sagt Rasmussen, "Materialien die wegen ihres geringen Gewichts und ihrer Robustheit immer wichtiger werden, gerade hier in Hamburg im Luftfahrtbereich. Mit diesen Stoffen praktisch zu hantieren und zu erfahren, wie schwer es eigentlich ist, damit etwas zu fertigen, haben die Studenten sonst so gut wie keine Gelegenheit."

Auch für Christoph Hermann war die praktische Erfahrung der Grund, am Wettbewerb teilzunehmen, "ansonsten hat man ja nur die Theorie. Aber

unser Hauptproblem war zuerst einmal, überhaupt die Simulation zum Laufen zu bringen, weil keiner von uns mit dem Programm richtig umgehen konnte. Aber danach ging es relativ fix."

Wenn Rechnung und Realität allerdings nicht korrelieren, hat man gleich ein weiteres Problem. So wie Gruppe zwei, die in Schutzanzüge gehüllt noch Kohlefasermatten im Labor zuschneidet und laminiert. "Bei uns passte es einfach nicht, teilweise hat die Simulation völlig unsinnige Ergebnisse ausgespuckt", sagt Beatrix Elsner. Und Teamkollege Christoph Meyer ergänzt: "Insofern gehen wir nach zwei Versuchen jetzt mit einem Balken in den Wettbewerb, den wir vorab nicht mehr testen konnten. Und wir sind uns darum auch nicht sicher, wie er sich am Dienstag tatsächlich verhalten wird."

Doch egal, wer im Finale siegt, eines steht jetzt schon fest: Am Ende werden alle Balken krachen, knirschen und knallen. Sie zum Bersten zu bringen, macht schließlich am meisten Spaß.

Die Versuche und Übergabe des Förderpreises fanden am 29.06. im Prüffeld des Instituts für Produktentwicklung und Konstruktionstechnik, Denickestraße 17, statt.


TUHH - Pressestelle

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