Pionier auf dem Gebiet neuartiger Glasfaser

15.04.2005

Prof. Dr. Philip St John Russell
Prof. Dr. Philip St John Russell

Körber-Preisträger und ehemalige Humboldt-Stipendiat der TUHH:
Prof. Dr. Philip St John Russell besucht die TUHH

Prof. Dr. Philip St John Russell ist Träger des Körber-Preises für Europäische Wissenschaften 2005. Entscheidende Impulse für seine preisgekrönte Forschung hat der Physiker eigenen Angaben zu Folge an der TUHH erhalten. Russell war von 1982 bis 1983 Stipendiat der Humboldt-Stiftung im damaligen Arbeitsbereich "Optik und Messtechnik" bei Prof. Dr. rer. nat. Reinhard Ulrich Em. Etwas mehr als 20 Jahre später - und kaum älter ist die Forschung auf diesem Gebiet - wurde der Brite unter 100 genannten europäischen Wissenschaftlern von einem international zusammengesetzten Kuratorium unter Vorsitz des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Dr. Peter Gruss, als Träger des mit 750 000 Euro dotierten Preises ausgewählt. Russel hat einen neuen Typ Glasfaser entwickelt, der eine Fülle von Anwendungen für die Bio- und Medizintechnik, Datenübertragung, Lasertechnologie und Sensorik erlaubt.

An der TUHH forscht Prof. Dr. rer. Nat. Manfred Eich auf diesem Gebiet der Photonischen Kristalle. Als Experte folgte er einer Einladung des Hamburger Wissenschaftsforums und beteiligte sich an der Podiumsdiskussion "Mit Licht auf neuen Wegen - eine Zukunftstechnologie stellt sich vor" im Axel-Springer-Haus, Hamburg. In diesem Rahmen wurde der Preisträger am Donnerstag, 14. April, erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Am gleichen und darauf folgenden Tag war Russell Gast im Arbeitsbereich "Materialien der Elektrotechnik und Optik" in der TUHH. Zu seinem kurzfristig angekündigten Fachvortrag über sein preisgekröntes Forschungsgebiet: "Nanophotonics - Recent Advances and Perspectives" waren mehr als 100 Zuhörer, darunter Russells ehemaliger Professor, Emeritus Reinhard Ulrich, gekommen.

Prof. Dr. rer. nat. Manfred Eich
Prof. Dr. rer. nat. Manfred Eich

Konventionelle Glasfasern werden heutzutage zum Beispiel für die Datenübertragung im Internet eingesetzt. Sie sind ähnlich wie eine "Makkaroni"-Nudel aufgebaut: Röhren, in deren Inneren Lichtimpulse weitergeleitet werden. Die von Philip Russell 1991 erfundenen und inzwischen zu Produkten entwickelten Fasern bestehen dagegen aus einem Bündel von Kernen aus Glas oder auch von Luftröhren, die jeweils von dünnen Wänden umgeben sind und "photonic crystal fibres" genannt werden. Die gesamte Faser hat einen Durchmesser von nur etwa 100 Mikrometern - was dem Fünftel eines menschlichen Haares entspricht.

Die besondere Struktur der neuartigen Glasfasern erlaubt eine effektivere Leitung von Licht und zeigt darüber hinaus völlig neue Eigenschaften. Mit dem Preisgeld in Höhe von € 750.000 beabsichtigt Russell nicht nur verbesserte optische und Infrarot-Laser zu konstruieren, sondern auch kompakte Quellen für UV- und Röntgenlicht, mit denen sich in Zukunft äußerst fein strukturierte Computerchips herstellen lassen. Dank Philip Russells "photonic crystal fibres" war es bereits möglich, eine extrem genaue "optische Uhr" zu konstruieren.

Mit der Vergabe des Körber-Preises im September 2005 erfährt diese Auszeichnung erstmals nach 20 Jahren eine entscheidende Veränderung: Wurde bislang länderübergreifend arbeitende europäische Forscherteams ausgezeichnet, so erhält fortan nur ein Wissenschaftler das Preisgeld in Höhe von 750 000 Euro für ein konkretes Forschungsvorhaben.

Radiosendung zum Thema: Samstag, den 16.4.2005 um 19:05 auf NDR 90,3


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