Jüngste Professorin der Ingenieurwissenschaften in Deutschland: Irina Smirnova ist die Leiterin des Instituts für Thermische Verfahrenstechnik der TU Hamburg-Harburg

25.07.2008

Prof. Dr. Irina Smirnova
Prof. Dr. Irina Smirnova

Neue Verfahren zur Herstellung von Arzneimitteln

Prof. Dr. Irina Smirnova hat im Juli die Professur Thermische Verfahrenstechnik an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) angetreten. Als Leiterin des Instituts tritt die Wissenschaftlerin die Nachfolge von Prof. Dr. Gerd Brunner an. Mit 31 Jahren ist Smirnova Deutschlands jüngste Professorin in der Verfahrenstechnik. Sie forscht auf dem Gebiet der Thermodynamik zur Verbesserung von Arzneistoffen. Ihr Ziel ist es, bewährte Methoden der Ingenieurwissenschaften auf die Pharmazie, Medizin und Biotechnologie zu übertragen.

Ein Schwerpunkt ihrer Forschung sind Aerogele: Dieser aus Silikaten gewonnene Stoff eignet sich hervorragend als Trägermaterial für Pharmazeutika. Der Festkörper ist hochporös und kann deshalb Medikamente aufnehmen, die minutiös an den Körper abgegeben werden können. Noch ist das Verfahren, die Adsorption unter hohem Druck, zeit- und kostenaufwändig. Zur schnelleren Herstellung von Aerogelen und zur weiteren Optimierung des Verfahrens stehen Smirnova in ihrem Labor an der TUHH hochwertige Apparaturen zur Verfügung. Tabletten und Salben werden in die an der TUHH im Labor für Versuche hergestellten Aerogele von Pharmazeiten der Universität Halle eingearbeitet. Bis Aerogele als Medikamententräger auf den Markt kommen, fehlen außerdem Zuverlässigkeitsprognosen: Vorhersagen, wie und in welcher Zeit sich oral aufgenommene Pharmazeutika im Körper verteilen, sind bisher nur begrenzt möglich. Der endgültige Nachweis kann erst durch Tierversuche erbracht werden. Alternativ dazu wird die russische Wissenschaftlerin an der TUHH einige dieser hochkomplexen Prozesse mit Hilfe der Thermodynamik modellieren, am Rechner nachbilden und über diese aufwändigen Berechnungswege zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen gelangen.

Im Institut für Thermische Verfahrenstechnik wird die russische Wissenschaftlerin außerdem die Forschungsarbeiten ihres Vorgängers fortsetzen und gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern der TUHH neue verfahrenstechnische Wege für die Verwertung von Biomasse aus Abfällen zur Bioethanol-Gewinnung entwickeln. Ziel ist es, die dabei anfallenden Reststoffe einer höherwertigen Verwertung zuzuführen.

Geboren in St. Petersburg, kam Dr. Smirnova 1999 als Doktorandin aus Russland an die TU Berlin, wo sie drei Jahre später ihre Promotion mit dem Prädikat "summa cum laude" abschloss. Nach einem Auslandsaufenthalt in Südkorea begann sie ihre Habilitation in Berlin. Anschließend folgte sie ihrem Doktorvater, Prof. Wolfgang Arlt, an den Lehrstuhl für Thermische Verfahrenstechnik nach Erlangen, wo sie bis zur Rufannahme an die TUHH tätig war.

Die russische Wissenschaftlerin hat in ihrer kurzen Laufbahn in 23 Publikationen renommierter Wissenschaftsmagazine veröffentlicht, drei Patente angemeldet.

Irina Smirnova ist Mutter eines zweieinhalb jährigen Sohnes; die Familie wird ab August südlich der Elbe in Hamburg wohnen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr.-Ing. Irina Smirnova
Institut für Thermische Verfahrenstechnik
040/ 42878-3240
E-Mail: Irina.Smirnova@tuhh.de


TUHH - Pressestelle

Fax: +49 40 428 78 2366