TUHH: Top-Platzierung im FAZ-Ökonomieranking für Christian Ringle

Fünf Fragen an den Wirtschaftswissenschaftler

02.11.2016

Prof. Dr. Christian Ringle
Prof. Dr. Christian Ringle
Foto: TUHH/R. Jupitz

Prof. Dr. Christian Ringle, Leiter des Instituts für Personalwirtschaft und Arbeitsorganisation an der Technischen Universität Hamburg (TUHH), ist einer der einflussreichsten Ökonomen im deutschsprachigen Raum. Das besagt das FAZ-Ökonomieranking 2016, welches Ringle auf Rang sechs im Bereich Forschung ausweist. Was diese Rangliste aussagt und wie er es unter die Top Ten aller Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland, Österreich und der Schweiz gebracht hat, das erläutert der Betriebswirt im folgenden Interview.

Herr Professor Ringle, Sie werden auf Rang sechs des aktuellen FAZ Ökonomie-Rankings im Bereich Forschung geführt. Wofür steht diese Rangliste?

Grundsätzlich gibt es zwei Arten, den Publikationserfolg wissenschaftlicher Arbeiten einzustufen. Einige Rankings wählen als Kriterium die Qualität der Zeitschriften, in denen ein Wissenschaftler publiziert. Andere Ranglisten gehen von der Anzahl der Publikationen aus, in denen Aufsätze eines Wissenschaftlers zitiert werden. Auch die FAZ verwendet für die Bewertung der Forschungsstärke ein solches Impact-Ranking, bei dem es also nicht nur darum geht, dass man publiziert, sondern auch darum, dass die Forschungsergebnisse in der Wissenschaft Beachtung finden. Dieses Ranking steht für die Relevanz der wissenschaftlichen Arbeit

Laut FAZ-Ranking sind Sie der mit Abstand meistzitierte Wirtschaftsforscher hamburgweit. Wie haben Sie es unter die Top Ten geschafft?

Ich forsche zu statistischen Methoden, die nicht nur in der Betriebswirtschaftslehre relativ breit einsetzbar sind, sondern auch zunehmend in der Medizin, Psychologie und Soziologie sowie in den Umwelt- und Ingenieurwissenschaften zur Anwendung kommen. Diese zahlreichen Einsatzmöglichkeiten und die Veröffentlichungen fast ausschließlich in Englisch sind der Schlüssel für eine weitläufige Wahrnehmung.

Was ist das für eine Methode?

Dabei handelt es sich um ein Verfahren zur Messung von Kausalmodellen, mit dem man konzeptionell relevante, aber nicht direkt messbare Phänomene skalierbar macht, um sie in einen schätzbaren Ursache-Wirkung-Zusammenhang zu stellen. Wahrgenommene Produktqualität oder Kundenzufriedenheit zum Beispiel lassen sich ja nicht einfach mit einem Maßband messen, aber man kann sie über direkt beobachtbare Indikatoren bestimmen. Mit einer solchen Messung lässt sich beispielsweise die Wirkung von wahrgenommener Produktqualität auf die Kundenzufriedenheit verlässlich schätzen.

Ihre Platzierung bezieht sich auf die Forschung. In der Gesamtwertung, die sich aus den Bereichen Medien, Politik und Forschung ergibt, tauchen Sie nicht auf. Wieso?

Das Ranking ist eine Rangliste für Ökonomen. Und für Ökonomen, in der Regel für Volkswirte, ist es besonders wichtig, politischen Einfluss und Medienpräsenz zu haben. Für mich als sehr stark auf Forschung ausgerichteter Betriebswirt sind diese Bereiche relativ uninteressant. Daher ist es logisch und konsequent, dass ich nur in dem Teilranking Forschung in Erscheinung trete.

Profitieren Sie als Wirtschaftswissenschaftler von einer solchen Top-Platzierung?

Nun ja – Rankings sind Fluch und Segen zugleich. Einerseits ist es ein Ansporn zu wissen, dass man auf das richtige Pferd gesetzt hat und an Dingen arbeitet, die breites Interesse finden. Das ist in Wahrheit neben der harten Arbeit oft auch das Ergebnis besonders glücklicher Fügungen. Andererseits läuft man aber auch Gefahr, dass man auf dem Pferd sitzenbleibt und sich nicht weiterentwickelt. Außerdem verleitet ein Ranking dazu, einen einzelnen Bereich der Arbeit eines Professors besonders hervorzuheben und die anderen auszublenden. Ein Hochschullehrer soll heutzutage auf allen Bereichen – Forschung, Lehre, Drittmittelprojekte, akademische Selbstverwaltung und vieles mehr – exzellent sein. Aber wenn man realistisch ist, kann nur gelten: Man braucht eine gewisse Fokussierung auf eine dieser Tätigkeiten, um erfolgreich zu sein. Das Gute an der TUHH dabei ist, dass wir ein sehr starkes Portfolio an Spezialisten haben, die auf den einzelnen Feldern Hervorragendes leisten – was uns in der Summe als Universität exzellent macht.

So errechnet sich das FAZ-Ökonomieranking im Bereich Forschung

Im Bereich Forschung zählt die Zahl der Zitate aus den vergangenen Jahren. Diesen Index hat der Fachverlag Elsevier aus Scopus, der größten Zitat- und Abstractdatenbank der Welt mit mehr als 110.000 Büchern und über 21.000 Zeitschriften berechnet. Wirtschaftsforscher, die oft Beiträge in Büchern oder in Zeitschriften ohne unabhängige Gutachter veröffentlichen, stehen in dieser Rangliste allerdings nicht weit oben. Für dieses Ranking wurden Zitate berücksichtigt, die in den Jahren 2012 bis 2016 veröffentlicht wurden, auf dem Datenstand von Mitte August – egal, aus welchem Jahr die zitierte Publikation stammt. So wird der Einfluss der Ökonomen in aktueller Zeit gemessen.

(Quelle: faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/f-a-z-oekonomenranking-2016-die-methode-14417819.html)


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