„Siedler von Catan“ und „Bahnhof in 3D“: TUHH-Erstsemester entwickeln Hilfsmittel für blinde und sehbehinderte Menschen

08.07.2016

MIt Spaß bei der Sache: Team "enable3DMap".
MIt Spaß bei der Sache: Team "enable3DMap".
Foto: TUHH/Akyol

Fühlen, tasten, berühren: 14 Studierende der Technischen Universität Hamburg (TUHH) setzten sich im freiwilligen Interdisziplinären Bachelor-Projekt „Open Topic“ mit dem Thema Blindheit und Sehbehinderung auseinander. Am Beispiel des Gesellschaftsspiels „Siedler von Catan“ und eines Hamburger Bahnhof-Modells zeigten die Studierenden, wie diese für blinde und sehbehinderte Menschen erlebbar werden. Dafür sammelten die Erstsemester anhand einer Simulation zunächst selbst Erfahrungen zu den Herausforderungen für Blinde und Sehbehinderte und tauschten sich die Projektzeit über regelmäßig mit einer fünfköpfigen Projektgruppe des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg e.V. (BSVH) aus. Entstanden sind zwei Projekte, mit denen sich die Studierenden ein Semester lang auseinander setzten:

Team „Blaubeere“ präsentierte in der Abschlusspräsentation das haptisch umgesetzte Brettspiel „Siedler von Catan“: Dafür bauten das Team das beliebte Strategiespiel, bei dem es um den Erwerb von Rohstoffen und den Bau von Siedlungen geht, von Grund auf nach: So wurde ein verrutschsicheres Spielbrett, tastbare Spielsteine und Spielfiguren sowie Spielkarten mit Zusatzinformationen in Braille-Schrift entworfen und umgesetzt. Die Spieleanleitung wurde nachträglich vertont.

Siedler von Catan.
Siedler von Catan.
Foto: TUHH/Heymann

Team „enable3DMap“ entwickelte im Rahmen des zweiten Projekts ein dreidimensionales Teilmodell des Hamburger Hauptbahnhofs für blinde und sehbehinderte Menschen. Ziel war es, durch taktile Fühlbarkeit relevante Orte zu kennzeichnen, um so eine bessere Orientierung zu bieten. Umgesetzt hat die Projektgruppe dies durch den 3D-Druck verschiedener Modellteile, den Einsatz der Braille-Schrift an wichtigen Punkten und eine mögliche Tonausgabe über Kopfhörer.

Begleitet wurden die beiden interdisziplinär zusammengesetzten Teams neben der Projektgruppe vom BSVH von Experten und Expertinnen der TUHH und den Initiatorinnen und Betreuerinnen des Projekts Uta Riedel und Siska Simon vom Zentrum für Lehre und Lernen (ZLL) an der TUHH. „Selbstständige Erarbeitung fachlicher Inhalte und gesellschaftliches Engagement sind in diesem Projekt eng miteinander verknüpft. So lernen die Nachwuchswissenschaftler und Nachwuchswissenschaftlerinnen früh, Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen“, sagt Uta Riedel, Leiterin des Projekts. Siska Simon, Fachreferentin für projektbasiertes Lernen am ZLL, betont: „Durch die Kooperation der TUHH mit dem BSVH konnte im ,Open Topic´-Projekt ein Format realisiert werden, das ein wichtiges aktuelles Thema aufgreift.“

TUHH-Vizepräsident Lehre, Prof. Sönke Knutzen und Heiko Kunert, BSVH-Geschäftsführer, waren ebenfalls bei der Abschlussveranstaltung anwesend und von den Ergebnissen begeistert: „Die Studierenden haben mit Offenheit, Engagement und Kreativität tolle Projekte auf die Beine gestellt und sofort erkannt, warum eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben so wichtig ist“, so Kunert.

Bezeichnend für das Projekt war die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten: Hartmut Gieseler, Leiter der Studierendenwerkstatt der TUHH, Olga Sankowski, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Produktentwicklung und Konstruktionstechnik (PKT), Anne Bunde, Projektassistentin am ZLL, sowie Jeannine Schmacka und Volker Rudat als studentische Tutor/innen haben den Erfolg des Pilotprojekts wesentlich mitgestaltet. Eine Weiterführung der Kooperation zwischen der TUHH und dem BSVH ist nicht ausgeschlossen.

http://www.tuhh.de/zll/idp
http://www.bsvh.org


TUHH - Public Relations Office
Felicia Heymann
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