Karl H. Ditze-Preis für herausragende Leistungen verliehen

07.07.2016

V.l.n.r.: Klaus D. Holbein (Ditze-Stiftung), Prof. Garabed Antranikian (Präsident der TUHH), die Preisträger Ying Dong, Tahani Alseikh, Gabriele Grütter, Helge Fielitz, Schahin Akbari, Birthe Kist und Rüdiger Schramm (Ditze-Stiftung).
V.l.n.r.: Klaus D. Holbein (Ditze-Stiftung), Prof. Garabed Antranikian (Präsident der TUHH), die Preisträger Ying Dong, Tahani Alseikh, Gabriele Grütter, Helge Fielitz, Schahin Akbari, Birthe Kist und Rüdiger Schramm (Ditze-Stiftung). Foto: TUHH

Exzellent, außergewöhnlich, erstaunlich – nur einige Worte, mit denen die Preisträger des diesjährigen Karl H. Ditze-Preises bedacht wurden. Bereits zum 17. Mal zeichnete die Karl H. Ditze Stiftung damit besonders talentierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der Technischen Universität Hamburg (TUHH) aus. Die Preise wurden vom Vorsitzenden des Stiftungs-Vorstandes, Rüdiger Schramm, sowie TUHH-Präsident Garabed Antranikian am 6. Juli 2016 im Ditze-Hörsaal der TUHH übergeben. Ausgezeichnet wurden Arbeiten von Birthe Kist, Ying Dong und Helge Fielitz. Der traditionelle Preis für innovative studentische Projekte und Initiativen ging an Schahin Akbari, Tahani Alseikh und Gabriele Grütter.

Die Preisträger des Karl H. Ditze-Preises 2016:

Birthe Kist für ihre Bachelorarbeit (1000 Euro)

In ihrer Bachelorarbeit „Design of a Crystal Bender for a Spectrum Analyser at the Materials Imaging and Dynamics Beamline of the European X-Ray Free Electron Laser” hat Birthe Kist einen neuen Verbiegemechanismus für Einkristalle entworfen, umgesetzt und modelliert. Dabei mussten insbesondere Haltemechanismen und Materialkombinationen gefunden werden, die einerseits eine Beschädigung der spröden Materialien vermeiden, andererseits auch eine hohe Verbiegung und Reproduzierbarkeit dieser Verbiegung ermöglichen. Zudem musste unter Beachtung der röntgenoptischen und der mechanischen Eigenschaften der Einkristalle Streugeometrien ermittelt werden, die eine hohe Energieauflösung in einem möglichst großen Energiebereich ermöglichen. „Das von Birthe Kist entworfene Bauteil wurde im Hinblick auf seine Anwendung in einem Spektrograph für Röntgenstrahlung am Europäischen Röntgenlaser XFEL getestet und hat seine Funktionsfähigkeit unter Beweis gestellt“, beurteilte Laudator Professor Patrick Huber vom Studiendekanat Maschinenbau: „Frau Kist hat damit in Ihrer Bachelorarbeit einen kleinen aber exzellenten Beitrag zu einem der weltweit modernsten Röntgenlaser geleistet.“

Ying Dong für ihre Masterarbeit (1500 Euro)

Die Verringerung des Kohlendioxidgehaltes der Luft ist ein aktuelles Thema des Umweltschutzes. Die derzeit gängige technische Lösung ist ein Abtrennungsverfahren durch Rauchgaswäsche mit Aminen und anschließender Kompression mit unterirdischer Einbringung in ausgepumpte Öllagerstätten. Diese Wäsche, kombiniert mit CO2-Kompression, benötigt einen erheblichen Teil der Kraftwerksenergie. Um diesen Verbrauch zu verringern, wird als alternatives Trennverfahren die Adsorption in Betracht gezogen. Um sogenannte Adsorber –Apparate, die mit sogenannten Adsorbentien, festen Stoffen, die andere Stoffe selektiv binden können, gefüllt sind – berechnen zu können, werden unter anderem die Adsorptionskinetik von CO2/H2O, sowie die entsprechenden Adsorptionsisothermen aus molekularen Berechnungen benötigt. Damit befasste sich Ying Dong in ihrer Arbeit „Investigation of CO2 and H2O diffusion in Metal-Organic Framework”. Die Ergebnisse werden für die Auslegung von Adsorbern benutzt. „Um die Arbeit durchfuhren zu können, musste sich Ying Dong in Bereiche einarbeiten, die nicht zum Standardkanon der Ausbildung von Verfahrenstechnikern gehören“, befand Professor Frerich Keil vom Studiendekanat Verfahrenstechnik: „Insbesondere die Methoden der molekularen Simulationen beinhalten eine umfangreiche, nichttriviale Theorie, in die sich Ying Dong mit großer Selbstständigkeit und erstaunlicher Geschwindigkeit eingearbeitet und umfangreiche Ergebnisse erhalten hat, die publiziert werden sollen.“

Dr.-Ing. Helge Fielitz für seine Dissertation (2000 Euro)

Auf Fracht- und Passagierschiffen ist der Aufbau einer drahtlosen, schnellen Datenverbindung zwischen Schiffen und Landstationen während der Revierfahrt und in Hafengebieten wichtig. Elektromagnetische Ausbreitungsbedingungen, verursacht etwa durch Containerbrücken und Kräne, sind hier spezielle Herausforderungen. In seiner Dissertation „Zuverlässige drahtlose Übertragung in maritimen Umgebungen unter Berücksichtigung komplexer metallischer Strukturen“ entwickelte Dr.-Ing. Helge Fielitz ein System zur qualitativen Messung der Mehrwegeausbreitung von Funksignalen in maritimer Umgebung. Dazu gehört auch die drahtlose Personenlokalisation in Maschinenräumen oder anderen unübersichtlichen Umgebungen bei Notfällen. Die Arbeit ist im Rahmen des Verbundforschungsprojektes MarNet entstanden, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. „Die Dissertation überzeugt durch eine ausgesprochen gelungene Ausgewogenheit zwischen Forschung und Entwicklung einerseits sowie der Messtechnik, Simulation und technischen Realisierung andererseits“, hob Professor Jan Luiken ter Haseborg vom Studiendekanat Elektrotechnik, Informatik und Mathematik hervor. „Ein erstes technisches System, das Helge Fielitz als Ergebnis seiner auf hohem Niveau durchgeführten Forschungsarbeit entwickelt und realisiert hat, wird bereits heute sehr erfolgreich bei einer namhaften Werft eingesetzt. Weitere von ihm konzipierte Systeme werden derzeit angepasst und bei der Entwicklung hoch komplexer Schiffe berücksichtigt.“

Tahani Alseikh, Gabriele Grütter und Schahin Akbari wurden in der Kategorie "Innovative studentische Projekte und Initiativen" geehrt und erhalten jeweils 500 Euro.

„Diese Drei stehen mit ihrem Engagement in der Flüchtlingsarbeit stellvertretend für das Netzwerk TUHamburg@Integrativ, in dem sich in mittlerweile 15 Arbeitsgruppen viele freiwillige Helfer zusammengefunden haben, um sich für die Integration von Flüchtlingen vom Camp gegenüber dem Campus zu engagieren“, betonte Laudator Professor Heinz Herwig vom Studiendekanat Maschinenbau. „Tahani Alseikh, Gabriele Grütter und Schahin Akbari haben sich mit ihrem vorbildlichen Einsatz als Dolmetscher, Integrationsscout, Sprachbuddy oder Ansprechpartnerin für Frauen besonders hervorgetan.“

Die Karl H. Ditze Stiftung

Karl H. Ditze (1906 – 1993) war persönlich haftender Gesellschafter der Hamburger rotring-Werke Riepe KG. Im Alter von 73 Jahren hat der erfolgreiche Hamburger Kaufmann und Mäzen sein Gesamtvermögen in die Karl H. Ditze Stiftung eingebracht.

Die Stiftung fördert vier Hamburger Hochschulen und unterstützt gemeinnützige und soziale Projekte. An der TUHH werden aus Mitteln der Ditze Stiftung Auslandsstipendien, Integrationsmaßnahmen für ausländischer Studierende, Veranstaltungen zur Sicherung des Ingenieurnachwuchses und studentische Projekte unterstützt.


TUHH - Pressestelle
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