TUHH-Wissenschaftler zeigen neues Modell zur Ausbreitung von Rohöl bei Tiefseeunfällen

03.02.2016

Das Hamburger Team.
Das Hamburger Team. Foto: privat

Um den Durst der Welt nach Öl zu stillen, werden zunehmend Tiefseebohrungen vorgenommen, obwohl die hierbei auftretenden Risiken bisher nur unzureichend abgeschätzt werden können. Unglücksfälle wie die Explosion in 2010 der Ölbohrplattform Deepwater Horizon (DWH) verseuchten mit 800 Millionen Liter Öl den Golf von Mexiko. Weder die Ausbreitung von Öl und Gas, noch die Wirkung auf das Ökosystem konnten vorhergesagt werden, da in einer Wassertiefe von 1500 m ein Druck von 150 bar bei einer Wassertemperatur von 4°C herrscht. Seitdem nutzt die Gulf of Mexico Research Initiative (GoMRI) einen Teil der Entschädigungszahlungen des Mineralölkonzerns BP zur Finanzierung von internationalen Forschungsverbünden, um die Gefahren von Rohölaustritten in der Tiefsee künftig besser abschätzen zu können. Von Anfang an dabei ist ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Technischen Universität Hamburg (TUHH), das die Tiefsee ins Labor geholt hat.

Im Projektverbund „Center for the Integrated Modeling and Analysis of Gulf Ecosystem“ (C-Image) entwickelt das TUHH-Institut für Produktentwicklung und Konstruktionstechnik/PKT unter der Leitung von Professor Dieter Krause ein Drucklabor, mit dem Tiefseebedingungen exakt nachgestellt werden können. Hier werden Rohölaustritte, sogenannte „Mini-Blowouts“, erzeugt, die mit hochauflösenden Kameras beobachtet und ausgewertet werden. Für die Auswertung der Versuche und die Modellierung der Prozesse ist das Institut für Mehrphasenströmungen verantwortlich, dessen Leiter Prof. Michael Schlüter die Hochdruckversuche auch international koordiniert. Am Institut für Technische Biokatalyse werden schließlich unter der Leitung von Professor Rudolf Müller und Professor Andreas Liese Versuche zum biologischen Abbau des Rohöls unter Tiefseebedingungen durchgeführt. Durch die Versuche ist es dem Team in den letzten drei Jahren gelungen, die große Bedeutung der besonderen Bedingungen in der Tiefsee für solche Ölkatastrophen international bekannt zu machen. Aufgrund des großen Erfolges werden die Wissenschaftler nun für weitere drei Jahre mit knapp 2 Millionen US-Dollar gefördert. Im Februar 2016 stellt das Hamburger Team nun sein neuestes Modell zur Ausbreitung von Rohöl bei Tiefseeunfällen auf der „Oil Spill and Ecosystem Science Conference“ in Tampa, Florida vor.

Weitere Informationen:

http://www.marine.usf.edu … me-2/task-2-high-pressure

www.gulfresearchinitiative.org/

Video: http://dispatchesfromthegulf.com/video-gallery/trailer/


TUHH - Pressestelle
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