TUHH-Präsident Antranikian eröffnet Symposium "Energiewende in aller Munde - aber in wessen Händen?"

Hochkarätige Experten diskutieren in Osnabrück über Chancen und Herausforderungen einer nachhaltigen Energieversorgung

26.10.2013

Prof. Garabed Antranikian erhielt den Deutschen Umweltpreis 2004.
Prof. Garabed Antranikian erhielt den Deutschen Umweltpreis 2004. Foto: DBU/Grosse-Ophoff

Die Energiewende ist richtig und schaffbar. Dies ist das Fazit des Symposiums "Energiewende in aller Munde - aber in wessen Händen?", das am 26. Oktober von Professor Garabed Antranikian im Vorfeld der 21. Verleihung des Deutschen Umweltpreises in Osnabrück eröffnet wurde. Zu dem Symposium lud der Rat der DBU-Umweltpreisträger unter der Federführung von Professor Garabed Antranikian, Professor Franz Dascher, Dr. Holger Zinke, Professor Hermann Auernhammer, Hermann Josef Schulte und Klaus Günther zu Ehren des scheidenden DBU-Generalsekretärs Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde ein.

Das für Deutschland wichtige Thema der Energiewende beleuchtete ein hochkarätiger Expertenkreis bestehend aus den DBU-Umweltpreisträgern Professor Klaus Töpfer, Professor Joachim Luther, Günther Cramer und Professor Angelika Zahrnt, die in ihren Referaten die Herausforderungen und Möglichkeiten der Energiewende aus den Blickwinkeln der Politik, der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Gesellschaft darstellten.

In seiner Eröffnungsrede machte der TUHH-Präsident noch einmal deutlich, dass die Energiewende zum Erreichen der Klimaziele und als Reaktion auf den Atomausstieg Deutschlands nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima unabdingbar ist. "Vor dem Hintergrund knapper werdender Ressourcen und der stetig wachsenden Weltbevölkerung liegt der Schlüssel für nachhaltige, klimaschonende Energiesysteme insbesondere in der interdisziplinären Bündelung technisch-wissenschaftlicher Innovationen bei gleichzeitiger Integration ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte", so Antranikian. "Nur im Schulterschluss von Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft ist Deutschland hervorragend für die Herausforderungen der Energiewende aufgestellt." Neben dem Ausbau einer entsprechenden Infrastruktur, Investitionen in die Sicherung der Energieversorgung und den Steuerungsaufgaben der Politik, betonte Professor Garabed Antranikian auch die Rolle der Wissenschaft als Impulsgeber und Katalysator der Energiewende. Gerade die Technische Universität Hamburg habe sich durch das Kompetenzfeld "Green Technologies" deutschlandweit positionieren können. Das Kompetenzfeld stellt die Fachkompetenz im Bereich nachhaltiger, umweltgerechter und innovativer - "grüner" - Forschungsthemen in den Mittelpunkt. "Die Entwicklung einer globalisierungsfähigen Technik Made in Germany ist vor allem durch Ingenieure möglich. Sie können die Energiewende beschleunigen", so Antranikian.

V.l. nach rechts: Dr. Zinke, TUHH-Präsident Prof. Garabed Antranikian, G. Cramer, Prof. Lutter, Prof. Zahrnt, Prof. Töpfer.
V.l. nach rechts: Dr. Zinke, TUHH-Präsident Prof. Garabed Antranikian, G. Cramer, Prof. Lutter, Prof. Zahrnt, Prof. Töpfer. Foto: DBU/Grosse-Ophoff

Die Bedeutung der Wissenschaft unterstrich auch Professor Joachim Luther vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg. Die ehrgeizigen Klimaziele bis zum Jahr 2050, nämlich die Reduzierung der Treibhausemission um 80% gegenüber 1990, seien durch bessere Energieeffizienz und durch die Ausschöpfung wissenschaftlicher Innvovationen schaffbar, so der Solarexperte.

In ihrem Vortrag zum Thema "Die Energiewende aus Sicht der Zivilgesellschaft", forderte Professor Angelika Zahrnt, Umweltpreisträgerin 2009, dass "die alten Strukturen der Energiewirtschaft, die ihr Geld möglichst lange mit Atom- und Kohlestrom verdienen wollen" überwunden werden und appellierte an die künftige Bundesregierung, die Energiewende mit einem angepassten und zukunftsweisenden Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Bürgerhand zu legen.

Der Unternehmer Günther Cramer beleuchtete die Energiewende aus ökonomischer Sicht und betonte dabei neue, dezentrale Energietechnologien, die lokale und regionale Wertschöpfungen und Industrieproduktionen ermöglichen können. Interessant sei dabei die Photovoltaik, "eine Zukunftstechnologie, die einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende leistet". Allerdings, so Cramer, müssen auch die politischen Rahmenbedingungen stimmen, damit bundesdeutsche Unternehmen gegen Wettbewerbsverzerrungen im globalen Markt bestehen können.

Der ehemalige Bundesumweltminister und Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Professor Klaus Töpfer, beleuchtete in seinem Vortrag die Energiewende aus politischer Sicht. Er sieht Deutschland langfristig als Profiteur der Energiewende, "denn die hier entwickelten Techologien werden sich zu Exportschlagern entwickeln". Schon jetzt sei Deutschland Exportweltmeister im Export von Umwelttechnologien und international profitiere die Umweltbranche von Deutschlands exportstarkem Maschinenbau.

Der mit 500.000 Euro höchstdotierte Umweltpreis Europas, wird morgen durch den Bundespräsidenten Joachim Gauck in Osnabrück an die beiden diesjährigen Preisträgerinnen Carmen Hock-Heyl, Gründerin und Geschäftsführerin der Firma Hock und Ursula Sladek, Vorstandsvorsitzende der Netzlauf ElektrizitätsWerke Schönau, überreicht.

Mit der Vergabe des Deutschen Umweltpreises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) werden jährlich Leistungen ausgezeichnet, die vorbildlich zum Schutz und Erhalt der Umwelt beigetragen haben oder in Zukunft zu einer deutlichen Umweltentlastung beitragen werden. Aus 20 Preisverleihungen sind bisher 52 Preisträger hervorgegangen, die sich im Rat der Umweltpreisträger zum Wohl der Umwelt und Gesellschaft engagieren.

See also: http://www.dbu.de/343.html


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