Ersties auf Reisen

Junge Studierende der Technomathematik besuchen das Airbuswerk in Finkenwerder

24.10.2013

Erstsemester der Technomathematik beim Airbuswerk in Finkenwerder
Erstsemester der Technomathematik beim Airbuswerk in Finkenwerder
Foto: TUHH/Christian Bittcher

Einen ganz besonderen Start ins erste Semester an der TUHH hat es für die 38 Studierenden des Studiengangs Technomathematik gegeben: Professor Dr. Wolfgang Mackens vom Institut für Mathematik an der TUHH "entführte" seine "Ersties" für einen Tag zum Airbus-Flugzeugwerk nach Finkenwerder. Die Reise begleiteten alle fünf Professoren und zahlreiche Mitarbeiter des Instituts. "Auf unserer Exkursion wollen wir unseren neuen jungen Studierenden zeigen, wo und wie Mathematik über Technik unser aller Leben und im Speziellen den Industriestandort Hamburg und Deutschland bestimmt", erklärte Prof. Mackens.

Mackens und seine Mitarbeiter investierten zusammen mit Kollegen des Fachbereichs Mathematik der Universität Hamburg rund drei Jahre in die Vorbereitungszeit, bevor der neue gemeinsame Studiengang von TUHH und UHH im vorigen Wintersemester erstmals angeboten werden konnte. Nach 28 Studierenden im Vorjahr und 38 in diesem Jahr, wovon neun weiblich sind, steht die Marschroute für Mackens fest: "Mein Ziel ist es, schon bald 80 Studienanfänger begrüßen zu können." Davon gehen auch die Leiter der TUHH-Mathematik-Lehrstühle für Numerische Mathematik und für Angewandte Analysis, Prof. Sabine Le Borne und Prof. Marko Lindner aus und kümmern sich selbst intensiv um die Grundausbildung der Anfänger.

Ebenfalls Prof. Anusch Taraz, der fast gleichzeitig mit Prof. Anton Schiela vor wenigen Wochen auf zwei neue Professuren am Institut für Mathematik berufen wurde, ist begeistert: "Was die Kollegen hier auf die Beine gestellt haben, ist wirklich beeindruckend - und damit meine ich sowohl die heutige Einführung für die Erstsemester als auch die Konzeption der Technomathematik insgesamt." Für Prof. Taraz ist der Studiengang absolut lebensnotwendig: "Ohne die Technomathematik hätte ich mich wahrscheinlich nicht für die TUHH entschieden - woher soll ich denn sonst in Zukunft meine Doktoranden bekommen?"

Technomathematik ist "Mathematik für Macher". Mackens: "Wer an Mathematik Interesse hat und bei der anstehenden Veränderung der Welt beteiligt sein will, ist im Studium der Technomathematik gut aufgehoben." Denn Technomathematiker sind die Angewandten Mathematiker, die ihre Kenntnisse der Wissenskunde einsetzen, um Ingenieuren und Technikern zu helfen, wenn kompliziertere mathematische Probleme auftauchen. Ihren Arbeitsplatz finden Sie überall, wo Ingenieure an komplexen Aufgaben arbeiten.

Erstsemester der Technomathematik beim Airbuswerk in Finkenwerder
Erstsemester der Technomathematik beim Airbuswerk in Finkenwerder
Foto: TUHH/Christian Bittcher

Während der Fahrt zu Airbus gab deshalb der E-Technik Dozent Prof. Dr. Frank Gronwald, einen kurzen Abriss über die bestehende Kooperationen der TUHH mit Airbus und erklärte, welche Forschungsaufgaben er selbst in Hinblick auf elektromagnetische Verträglichkeit bei Flugzeugen bearbeitete. Stellvertretend für den Mechanik-Dozenten Dr. Marc-André Pick wies Studienfachkoordinator Mackens auf die vielen aus dem Bus zu sehenden schönen Brücken hin, für deren Belastungen, Spannungen und Verformungen man bald Berechnungsmethoden lernen würde und welche man nach einem zweisemestrigen Kurs in Mechanik mit ganz anderen Augen wahrnehmen werde.

Auch im Airbuswerk in Finkenwerder spielt Mathematik eine große Rolle. Das veranschaulichte ein Airbus-Ingenieur den jungen Studierenden in einer Werksführung. In seinem Vortrag erhielten die Studierenden ausführliche theoretische Erklärungen über die Ingenieurarbeit bei der Entwicklung von Flugzeugen und die damit verbundene Mathematik.

Im Anschluss an den Vortrag stand zunächst ein kurzer Abstecher in das Flugzeug-Museum von Airbus auf dem Programm, bevor die wissenshungrigen Studierenden einen Blick in die Fertigungsstraße der A320-Familie werfen durften.

"Dass beim Bau von Flugzeugen gerechnet werden müsse, war wohl schon vor dem Besuch allen klar. Dass aber jedes Teil eines Flugzeuges für sich und im Zusammenwirken mit anderen Teilen meist mehrfach mit Hilfe mathematischer Modelle simuliert werde, war vor den bei Airbus erhaltenen Erklärungen wohl nicht so bekannt gewesen", sagte Mackens.

Die Rückfahrt mit einer Barkasse in Richtung Landungsbrücken bot Gelegenheit, die ansässige Industrie noch einmal aus anderer Perspektive zu betrachten. Im Hafen, der mit den Werften ehemals auch die Technik nach Hamburg brachte, gaben Brücken, Containerterminals, Klärwerke, Raffinerien, Schiffe und Werften den Reisenden Gelegenheit, jede Menge mathematische Bezüge zu erörtern.

Vier von 38 Techno-Mathe-Studierenden:

Clemens Oszkinat, 18 Jahre aus Hamburg-Iserbrook: "Der Studiengang Technomathe hat mich schnell begeistert, da hier Mathematik mit praxisorientierten Anwendungen verknüpft wird. Besonders gut gefällt mir die interdisziplinäre Ausrichtung, in der Mathematik und Ingenieurwesen kombiniert werden." Aufmerksam auf den neuen Studiengang war er in seiner Schule, dem Marion-Dönhoff-Gymnasium, geworden, an dem Professor Mackens den Studiengang vorgestellt hatte "Ich hoffe, dass ich nach meiner Ausbildung möglichst breit aufgestellt bin, um in unterschiedlichsten Industriebereichen arbeiten zu können."

Ivonne Braubach, 19 Jahre aus Hamburg-Winterhude: "Eigentlich wollte ich Mathematik studieren, da mir dieses Fach immer großen Spaß gemacht hat. Als ich von der Möglichkeit eines Techno-Mathematik-Studiums erfahren habe, dachte ich: Cool, das ist etwas für mich." Was genau die Studentin später beruflich plant, steht für sie noch nicht fest. "Allerdings hoffe ich auf viele berufliche Möglichkeiten, die mir dieses Studium bietet." Den Ausflug zu Airbus bewertet die junge Frau auf jeden Fall positiv: "Man erfährt viel Interessantes. Außerdem ist so eine Exkursion eine gute Möglichkeit, die Studienkollegen kennenzulernen."

John Stüttgen, 20 Jahre aus Reinbek bei Hamburg: "Meine erste Wahl beim Studienfach war zunächst Mathematik. Als ich allerdings von diesem Studiengang erfuhr, war ich einfach begeistert: Die Kombination aus Mathe, Physik und Technik ist echt klasse - und genau mein Ding!" Seine berufliche Zukunft hält er sich noch offen - fest steht bislang, dass er die Universität mit einem Master-Abschluss verlassen möchte. Auch von der TUHH hat er bislang nur Gutes gehört: "Eine kleine aber feine Uni - ich bin sehr zufrieden."

Esther Fellenzer, 19 Jahre, aus Winsen: "Besonders gut an diesem Studiengang gefallen mir die Anwendungsmöglichkeiten, denn bei Technomathe werden Elektrotechnik, Informatik und Mechanik miteinander verknüpft. Ein reines Mathe-Studium wäre auch in Frage gekommen, doch das ist mir im Vergleich zu diesem Studiengang viel zu theoretisch. Außerdem sind die Berufschancen klarer und besser als in der reinen Mathematik." Sie wurde in einer Infoveranstaltung mit ihrem Mathe-Leistungskurs auf die Möglichkeit des Studiengangs aufmerksam. Auch die TUHH findet sie klasse: "Die Uni genießt einen guten Ruf und liegt sehr verkehrsgünstig."

Text: Christian Bittcher


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