TUHH-Ringvorlesung

"Die zukünftige Rolle der konventionellen Stromerzeugung"

05.07.2013

Dr.-Ing. Urs Overhoff
Dr.-Ing. Urs Overhoff
Foto: privat

Den vorletzten Teil der elfteiligen Ringvorlesung hält Dr.-Ing. Urs Overhoff am Freitag, 5. Juli, zum Thema "Rauf und runter - Die zukünftig Rolle der konventionellen Stromerzeugung". Die Energiewende ist für weite Teile der deutschen Industrie eine der größten Herausforderungen der letzten Jahrzehnte. Zur Umsetzung der Energiewende muss die Energiewirtschaft den weitaus größten Beitrag leisten. So soll bis 2050 nur noch ein Anteil von 20 Prozent des dann noch benötigten Stromaufkommens durch fossile Energieträger gedeckt werden. Die Erneuerbaren Energien sollen bis dahin so weit ausgebaut sein, dass diese den weitaus größten verbleibenden Strombedarf decken können. Folglich muss in den kommenden Jahrzehnten die Stromversorgungsinfrastruktur in Deutschland grundlegend umgestaltet werden. "Schon heute ist der Einfluss der Stromproduktion aus Photovoltaik - und Windkraftanlagen deutlich zu spüren. Die Einsatzzeiten der fossil gefeuerten Kraftwerke sinken signifikant. Die geringe Auslastung der Kraftwerke wiederum führt zu wirtschaftlichen Einbußen bis hin zu drohenden Stilllegungen", sagt der Maschinenbauer und Manager im Bereich Forschung & Entwicklung bei RWE Power AG. RWE Power AG ist die Tochtergesellschaft im RWE-Konzern, die einen großen Teil der RWE-eigenen Kraftwerke und dazugehörigen Anlagen in Deutschland betreibt.

Analysen zeigten, so Overhoff, dass auch bei weiterhin starkem Zubau der Erneuerbaren Energien ein großer konventioneller Kraftwerkspark als Backup-Kapazität für die Gewährleistung einer gleichbleibenden Versorgungssicherheit benötigt werde. "Da dieser über das aktuelle Marktmodell in Deutschland jedoch nicht wirtschaftlich betrieben werden kann, ist eine Umgestaltung des Strommarktmodells in den kommenden Jahren notwendig."

Von zentraler Bedeutung sei außerdem die Weiterentwicklung konventioneller Kraftwerkstechniken, so der Experte. Im Fokus der Kraftwerksbetreiber stehen daher ebenfalls Werkstoffentwicklungen sowie neuartig gestaltete Kraftwerksprozesse. Ziel ist die Flexibilisierung des Kraftwerksparks zur effizienten Nutzung der durch die Erneuerbaren Energien erzeugten Strommengen und zur Sicherung einer hohen Versorgungsqualität.

Dr. Urs Overhoff studierte an der Universität Bochum Maschinenbau mit dem Abschluss als Diplom-Ingenieur in der Fachrichtung Energie- und Verfahrenstechnik. Während seiner anschließenden Promotion am Lehrstuhl für Thermodynamik der Universität Bochum beschäftigte er sich bis 2006 mit der Erstellung und der praxisnahen Anwendung von Zustandsgleichungen für die Berechnung thermodynamischer Zustandsgrößen fluider Stoffe. Es folgte ein Wechsel in den Bereich Forschung und Entwicklung der RWE Power AG in Essen. Seit 2010 leitet er das Projekt CO2-Speicher 2025+, in dem langfristige Strategien zur Entwicklung der gesamten CCS Kette für die Anforderungen der RWE Power im europäischen Umfeld entwickelt werden.

Am Freitag, 12. Juli, wird Claudia Kemfert, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) e.V., Berlin und Hertie School of Governance, Berlin, die Ringvorlesung mit dem Vortrag "Energiewende in Deutschland - Wirtschaftsmotor oder ökonomisches Desaster?" beenden. Wie immer findet die Vorlesung von 14.30 Uhr bis 16 Uhr im Hörsaal des Gebäudes K, Denickestraße 15, statt.

Interessierte Bürger, Studierende und Experten sind herzlich eingeladen.

Der Eintritt ist frei.


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