Frisch gebackene Tretboot-Weltmeister und talentierte Bootsbauer

03.07.2013

Der Imperator im Kreis seiner erfolgreichen Familie, den Studenten und Studentinnen des Schiffbaus an der TUHH. "Beim Tretboot-Bauen können wir umsetzten, was wir im Studium gelernt haben."  
Der Imperator im Kreis seiner erfolgreichen Familie, den Studenten und Studentinnen des Schiffbaus an der TUHH. "Beim Tretboot-Bauen können wir umsetzten, was wir im Studium gelernt haben."  
Foto: TUHH/Jannsen

Die Schiffbauer der TUHH stellen die Konkurrenz auf Wettkämpfen im ostfriesischen Leer und auch auf internationale Ebene in den Schatten.

Sie sind ein wundersames Völkchen, die Schiffbauer der Technischen Universität Harburg und pflegen ein kurioses Hobby: Seit über zwei Jahrzehnten entwerfen und konstruieren sie High-Tech-Tretboote, die mittlerweile Geschwindigkeiten über 21 km/h erreichen können. Nicht zu vergleichen mit den behäbigen Mühlen, die man zum Freizeitvergnügen treten kann. Mit den Booten aus der Schmiede der Harburger Schiffbauer lassen sich Weltmeisterschaften wie jüngst die Human Powered Boats World Championships (so der offizielle Titel der Veranstaltung) in Leer gewinnen. Dort wurde der Imperator (Fertigstellung 2006) Weltmeister in den Disziplinen 100 Meter Sprint und 10 Kilometer Langstrecke sowie Sieger in der Gesamtwertung unter zwölf teilnehmenden Booten. Das durch zwei Treter angetriebenen Boot erreichte beim Sprint Geschwindigkeiten von 19,5 km/h bzw. 10,05 Knoten. "Überlegen war der Sieg in der Langstrecke, überraschend im Sprint", kommentiert Tobias Budde, Schiffbau-Student im 6. Semester, das Ergebnis. Im Bollard Pull (Pfahlzug) holte der über 20 Jahre alte Trimaran Clementine den Weltmeistertitel.

Nur wenige Wochen zuvor hatte die TUHH-Flotte auf der Internationalen Waterbike Regatta IWR 2013 in Rijeka (Kroatien) überzeugt. Auch hier glänzte der Imperator und fuhr den ersten Platz ein. Paul von Lämmersieth belegte einen beachtlichen fünften Platz, Clementine wurde Achte. Dazu Tobias Budde: "Zum dritte Mal in Folge ist es uns gelungen, diesen Titel zu holen. Es bestätigt sich jedes Jahr aufs Neue, dass der Imperator in keiner Disziplin unschlagbar überlegen ist, jedoch durch eine herausragende Gesamt-Performance seine Meriten einfährt." Insgesamt haben die Harburger diese erstmals 1982 ausgetragene studentische Meisterschaft zum sieben Mal gewonnen. Neben dem Wettkampfgedanken, der die Veranstaltung prägt, dient sie dem Erfahrungsaustausch und der Vernetzung der europäischen Schiffbaustudenten.

Das Wichtigste an den großen Meisterschaften ist nicht etwa das Training sondern vielmehr das Bauen der Boote. Neue Entwurfsideen für die Rumpfform oder die Konstruktion stammen häufig aus Diplom- oder Studienarbeiten. Bei den notwendigen Berechnungen können die Schiffbaustudenten das in ihrem Studium erworbene Wissen direkt anwenden. Bis ein Tretboot fahrtüchtig ist vergehen bis zu drei Jahre Entwicklungs- und Bauzeit. Tobias Budde: "Wir können beim Tretboot-Bauen umsetzen, was wir im Studium gelernt haben, zum Beispiel muss man einen Propeller konstruieren. Die Boote sollen möglichst schnell sein, und das ist auch später bei großen Schiffen das Ziel."

Zur Weltmeisterschaften in Leer waren 30 Schiffbauer und Schiffbauerinnen angereist. Im großen Gepäck befanden sich neben den Tretbooten Imperator, Clementine, Paul von Lämmersieth (Baujahr 2001) und Froude Interceptor (Baujahr 1991) auch Schiffbaustudentin Larissa Jannsen. Als Bootswartin ist sie zuständig für den Imperator - und das nicht nur zu Wettkampfzeiten. "Wir Bootswarte sind dafür da, die Boote zu pflegen und auf dem neuesten Stand der Technik zu halten. In dieser Saison haben wir für den Imperator einen neuen Tretrahmen und zwei neue Propeller gebaut." Während der Weltmeisterschaft gehörte es unter anderem zu den Aufgaben der Studentin aus dem vierten Semester, die Propeller zu schleifen und den Disziplinen entsprechend, die Getriebetechnik einzustellen.

Das Bauen von Tretbooten ein teures Hobby. Allein die Instandhaltung des Imperators seit seinem Stapellauf 2006 hat bis heute rund 20.000 Euro verschlungen. Ohne Sponsoren geht nichts. Sie finanzieren nicht nur Boote und Wettkämpfe, auch verfolgen sie als Fan der Harburger Schiffbauer oftmals die Wettkämpfe vor Ort. Tobias Budde und Larissa Jannsen sind sich einig: "Schiffbau ist wie eine große Familie. Man lernt sich schnell kennen und verliert sich nicht aus den Augen."

http://www.hf-latte.de


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