TUHH-Forschung und Technologie unterstützt die Energiewende

Mit Blick auf den Prozess der Energiewende in Norddeutschland und Hamburg skizziert TUHH-Professor Martin Kaltschmitt vier Aktionsfelder

12.02.2013

Beispiel für Windparks: BARD 1
Beispiel für Windparks: BARD 1
Foto: BARD-Gruppe

Deutschland hat als erste große Industrienation der Welt die Wende eingeleitet, um seine Energieversorgung auf eine neue Grundlage zu stellen. Wirtschaft und Politik stehen vor hochkomplexen Aufgaben und auch Hamburg stellt sich die Fragen: Wie schaffen wir den Weg hin zur Umsetzung der Energiewende in der Hansestadt? Ein erster Energiegipfel Ende Januar im Hamburger Rathaus hat Akzente gesetzt, eine Fortsetzung der Gespräche mit zahlreichen Akteuren ist angedacht. Im Focus standen und stehen dabei die erneuerbaren Energien. Mit am Tisch der geladenen Gäste saßen auch Vertreter der Technischen Universität Hamburg. Die TUHH beschäftigt sich seit ihrer Gründung in vielerlei Hinsicht mit technischen, konzeptionellen und systemanalytischen Fragen im Zusammenhang mit der Energieversorgung der Freien und Hansestadt Hamburg, der Bundesrepublik Deutschland und ausgewählter Drittstaaten. Dies gilt sowohl für die Lehre als auch die Forschung.

Dazu Professor Dr.-Ing. Martin Kaltschmitt, Leiter des Instituts für Umwelttechnik und Energiewirtschaft (IUE): "Im Hinblick auf die Energiewende in Hamburg ist die TUHH aufgrund ihrer technisch-wissenschaftlichen Ausrichtung mehr als prädestiniert, federführend zur erfolgreichen Umsetzung eines zukünftig nachhaltigeren Energiesystems beizutragen."

Der Energieexperte Kaltschmitt verweist auf den Forschungsschwerpunkt (FSP) "Klimaschonende Energie- und Umwelttechnik" (www.tuhh.de/fsp-energieumwelt). Elf interdisziplinär arbeitende TU-Institute befassen sich in dem FSP mit vielfältigen Aspekten und Facetten der Weiterentwicklung der Energietechnik und der Energieversorgung. "Dies schließt neben Arbeiten auf den Gebieten der Photovoltaik, Geothermie, Biomasse, Windenergie und der konventionellen Kraftwerkstechnik auch die Analyse und Bewertung unterschiedlichster Energiesysteme ein", sagt Prof. Kaltschmitt. Dabei werden viele Forschungs- und Entwicklungsprojekte zusammen mit Unternehmen und Institutionen realisiert. "Diese regionalen, überregionalen und internationalen Kooperationen im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) tragen wesentlich zum Technologietransfer in die Praxis bei. Universität, Unternehmen und beteiligte Einrichtungen sind gemeinsam wichtige Innovationsmotoren auf den Weg zu einem nachhaltigeren Energiesystem", so der Energiewirtschaftler und Ingenieur.

Professor Martin Kaltschmitt.
Professor Martin Kaltschmitt.
Foto: Roman Jupitz / TUHH

Im Hinblick auf den Prozess der Energiewende in Hamburg und damit auch im norddeutschen Raum sieht Professor Kaltschmitt kurzfristig primär vier Aktionsfelder:

Wissenschaftliche Begleitung des Energiewende-Prozesses

Unter Konsultation wesentlicher Akteure sollte die Entwicklung der Energieversorgung in der Hansestadt in den kommenden Jahren wissenschaftlich begleitet werden mit dem Ziel, die Wirksamkeit und Effizienz bereits beschlossener Maßnahmen zu prüfen, unter Klima- sowie Kosteneffizienzgesichtspunkten zu bewerten sowie weitergehende Klimaschutz-Maßnahmen vorzuschlagen.

Entwicklung und Umsetzung eines Biomethankonzeptes

In enger Zusammenarbeit u.a. mit der Stadtreinigung Hamburg (SRH) muss ein Biomethankonzept zur effizienten Nutzung der organischen Abfälle der Hansestadt (weiter-)entwickelt, konkretisiert und sukzessive umgesetzt werden; Dadurch kann der Beitrag der Abfallwirtschaft an der Energieversorgung und am Klimaschutz kosteneffizient gesteigert werden. Parallel dazu muss die benötigte Verfahrenstechnik im Bereich der biologischen und thermischen Biomethanerzeugung (weiter-)entwickelt werden.

Integration der fluktuierenden Erzeugung ins Stromversorgungssystem

Der Ausbau insbesondere der Windenergie im Norden Deutschlands - und damit auch in der Metropolregion - und die nur begrenzt vorhandenen elektrischen Übertragungskapazitäten nach Süddeutschland bringen es mit sich, dass zukünftig forciert nach Möglichkeiten gesucht werden muss, die oftmals ungleichmäßige Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie besser in das Elektrizitätsversorgungssystem zu integrieren. Dies wird nicht durch eine Einzelmaßnahme, sondern nur durch ein zu identifizierendes, in sich stimmiges Maßnahmenbündel auf der Erzeugungs- und der Nachfrageseite möglich sein.

F&E-seitige Flankierung der Offshore-Windstromerzeugung

Der bisher realisierte Ausbau der Offshore-Windstromerzeugung ist in den letzten Jahren deutlich hinter den politischen Zielvorgaben geblieben. Soll in den kommenden Jahren in dem geplanten Ausmaß konventioneller Strom durch Windstrom ersetzt und diese Branche weitergehend an den Standort Hamburg gebunden werden, muss die F&E-seitige Unterstützung - und damit die Forschungsinfrastruktur der Hansestadt - signifikant verbessert werden. Dies könnte am effizientesten durch den Aufbau entsprechender F&E-Aktivitäten an der TU realisiert werden und müsste auch Arbeiten auf dem Gebiet der Energiespeicherung beinhalten.

Für Rückfragen:
Prof. Dr.-Ing. Martin Kaltschmitt
TU Hamburg Institut Umwelttechnik und Energiewirtschaft
Telefon +49 40 438 78 30 08
Fax +40 40 428 78 23 15

kaltschmitt@tuhh.de


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