TUHH im Trend: Videovorlesungen zur Vorbereitung auf Semesterprüfungen laufen auf Hochtouren

Auf Wunsch und unter Beteiligung der Studierenden hat die Technische Universität im vergangenen Semester ein Aufzeichnungssystem angeschafft.

28.03.2012

Schiffbaustudentin Melina Eichwald mit ihrem Handwerkszeug im Audimax
Schiffbaustudentin Melina Eichwald mit ihrem Handwerkszeug im Audimax Foto: Martina Brinkmann/TUHH

Ein Mausklick, ein Video und schon ist man mitten in der Vorlesung. Seit einigen Wochen werden in vier Hörsälen (Audimax I und II, Ditze Hörsaal sowie Hörsaal 0504, Denickestraße 17) regelmäßig Grundvorlesungen der Mechanik aufgezeichnet.

Während die Kommilitonen in das Audimax strömen, hantiert die Schiffbaustudentin Melina Eichwald (23) im Vorlesungssaal. Routiniert montiert sie die Kamera auf ein Stativ, testet die Tonqualität, kontrolliert die Batterien und nimmt ihren Platz unmittelbar neben der Kamera in der zweiten Reihe vorne im Hörsaal ein.

Alles, was der Professor in den nächsten 90 Minuten vorträgt, zeichnet Melina in Bild und Ton auf; eine spezielle Software speichert gleichzeitig alle Aktivitäten auf dem Desktop des Professors als Bildschirmvideo. Zu sehen ist einzig der Lehrende selbst sowie sein engstes Umfeld. Das Auditorium bleibt unsichtbar.

„Immer wieder fragen Kommilitonen, wann die Vorlesungen endlich abrufbar sind. Denn sie wollen die Videos zur Nachbereitung der Vorlesung und vor allem zur Vorbereitung auf die Prüfungen am Semesterende nutzen“, so die Studentin. „Unser Ziel ist es, dass zum nächsten Sommersemester die Testphase erfolgreich abgeschlossen ist und alles gut funktioniert.“

Auf vielfachen Wunsch und unter Beteiligung der Studierenden hat die TU im vergangenen Semester ein Aufzeichnungssystem angeschafft. „Der Testbetrieb hat begonnen, um später einen möglichst reibungslosen Ablauf zu gewährleisten“, sagt Dr. Lothar Kreft, Leiter der Arbeitsgruppe Vorlesungsaufzeichnung und Streaming.

Das Hauptziel der Videoaufzeichnung besteht darin, die Möglichkeiten des Lehrens und Lernens zu verbessern. Seit Jahren sind in vielen Ländern Aufzeichnungen von Lehrveranstaltungen ein wichtiges didaktisches Instrument. Ihr größter Vorteil besteht darin, dass Studierende nach der Lehrveranstaltung zu Hause per Videostreaming Vorlesungsinhalte nachhören können und nicht länger auf unvollkommene Mitschriften angewiesen sind.

„Keinesfalls können Videos aktuelle Vorlesungen ersetzen, sondern sie dienen vor allem zum Nacharbeiten für das eine oder andere Thema einer Vorlesung. Studierende schätzen die Art der Aufzeichnung als begleitendes Angebot auch für den Fall, dass Hörsäle – vor allem zu Semesterbeginn – überfüllt sind“, so Kreft, Oberingenieur am Institut für Kommunikationsnetze.

Begonnen haben die Planungen um die Videovorlesungen vor einem Jahr. Seitdem leitet auf technischer Seite Sven Thönnessen vom Servicebereich Medientechnik das Projekt. Ansprechpartner für die Technik der Aufzeichnungen ist Adam McLocklan. Der Mitarbeiter aus dem TU-Bereich Medientechnik ist gelernter Tontechniker und Elektriker. Er schulte Melina Eichwald im Umgang mit der Kamera und der Aufzeichnungstechnik. Dringend werden weitere engagierte Studierende benötigt, die sich einige Stunden wöchentlich hinter der Kamera vorstellen können. Dazu Lothar Kreft:„ Jeder „Hiwi“ wird für sein Engagement bezahlt.“

Hilfreich für den Job sei ein wenig Erfahrung in Ton- und Kameraführung, so McLocklan. „Wie der Fokus funktioniert, das Bild aufgehellt wird oder was bei unerwarteten Fehlern zu tun ist, das ist schnell erklärt.“ Ist die Testphase abgeschlossen, soll das System weitere Vorlesungen aufzeichnen, die dann möglichst noch am selben Tag abrufbar sind. Geplant ist primär die Nutzung auf der eigenen internen Plattform (studIP) sowie die Verteilung von besonderen Veranstaltungen auf öffentlich zugänglichen Plattformen wie zum Beispiel iTunesU, wo die TUHH bereits neben der Plattform YouTube einen eigenen Auftritt unterhält.

Sicher ist, dass die Lehrenden Urheber der Aufzeichnungen sind und die Rechte daran haben. Bevor eine Vorlesungen frei gegeben wird, können deshalb auf Wunsch des jeweiligen Professors die Streams nachbearbeitet, geschnitten und – je nach Wunsch – ausschließlich intern oder auch extern veröffentlicht werden. Die Erfahrung zeige, so Lothar Kreft, dass etwa zwei Wochen nach der Veranstaltung das Nutzungsinteresse sinkt; deshalb sollen die Vorlesungen jeweils möglichst unmittelbar nach der Aufzeichnung zur Verfügung gestellt werden. In diesen zwei Wochen sei aber erfahrungsgemäß nicht nur die Nutzung sehr hoch, sondern auch der Lerneffekt, der durch die Aufzeichnung erzielt werde. Auch zur Prüfungsvorbereitung seien Videoaufzeichnungen sehr hilfreich.

Das Projekt wurde als gemeinsames Vorhaben des Präsidiums, der Studierenden, des Rechenzentrums und der Medientechnik gestartet und finanziert.

Inhaltliche Fragen zum Projekt beantwortet Sven Thönnessen: s.thoennessen@tuhh.de

Studierende der TUHH, die sich für die Mitarbeit hinter der Kamera interessieren, melden sich bei Adam McLocklan: adam.mclocklan@tuhh.de

Text: Martina Brinkmann


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