Premiere an der TU Hamburg-Harburg: Abschlussfeier mit Schärpe und Barett

24.06.2011

Der Präsident der Technischen Universität Hamburg, Prof. Dr. Garabed Antranikian (zweiter von rechts) mit den Absolventen Mergole Kuate, Master-Absolvent aus Kamerun (rechts) sowie Jana Weinberg, Diplomingenieurin in Verfahrenstechnik aus Cuxhaven und Dominik Zobel, Bachelor-Absolvent in Allgemeine Ingenieurwissenschaften aus Würzburg.Hauke Gilbert
Der Präsident der Technischen Universität Hamburg, Prof. Dr. Garabed Antranikian (zweiter von rechts) mit den Absolventen Mergole Kuate, Master-Absolvent aus Kamerun (rechts)
sowie Jana Weinberg, Diplomingenieurin in Verfahrenstechnik aus Cuxhaven und Dominik Zobel, Bachelor-Absolvent in Allgemeine Ingenieurwissenschaften aus Würzburg. Hauke Gilbert

Für Mergole Kuate läuft alles reibungslos, seit er vor sechs Jahren aus Kamerun nach Deutschland und an die TU Hamburg-Harburg gekommen ist. Er studierte den internationalen Master-Studiengang Information and Communication Systems innerhalb der Regelstudienzeit, schrieb seine Masterarbeit bei der Airbus GmbH mit der Note 1,0 und fand gleich im Anschluss eine Anstellung. Heute gehört der 25-Jährige zu den 205 Absolventen und Absolventinnen, die bei der Abschlussfeier an der TUHH ihre Urkunden entgegennehmen werden – zum ersten Mal in Schärpe und Barett nach US-amerikanischem Vorbild. Mit der Amtszeit des neuen Präsidenten Garabed Antranikian beginnt an der TUHH auch hier eine neue Ära: „Es wird sehr festlich werden“, sagt Professor Antranikian, der in Libanon an einer US-amerikanischen Universität sein Studium der Biologie absolvierte.

Dieser auch mit einer besonderen Kleidung geschaffene äußere Rahmen sei eine Form der Würdigung des akademischen Erfolgs und werde von den Absolventen honoriert. Wer das anspruchsvolle Studium an der TU Hamburg geschafft habe, dem solle auch eine gebührende Anerkennung zuteil werden. Alle Absolventen werden in Schärpen gekleidet sein. Die Farbe der Schärpe kennzeichnet die Art des akademischen Abschlusses: Rot steht für Bachelor of Science, blau für Master of Science sowie das Diplom.

Insgesamt haben 358 Studierende in der Zeit zwischen August 2010 und Februar 2011 als Diplomingenieur, Master of Science und Bachelor of Science ihren Abschluss - entweder in Maschinenbau, Verfahrenstechnik, Elektrotechnik, Bauingenieurwesen, Management-Wissenschaften oder im Gewerblich-Technischen Bereich - an der TUHH gemacht, davon 76 Frauen und 56 Studierende aus dem Ausland – wie Mergole Kuate. Zu der Feier um 18 Uhr im Audimax I werden heute Gäste aus Wissenschaft und Wirtschaft, Politik und Gesellschaft erwartet. Die Festrede hält TUHH-Alumni Dr.-Ing. Alexander Nürnberg, Geschäftsführer der HATLAPA Marine Equipment in Uelzen, der 1991 an der TUHH in Maschinenbau promovierte.

MergoleKuate optimiert die Qualitätssicherung bei Airbus
Der 25-Jährige ist einer von 205 Absolventen und Absolventinnen bei der heutigen Abschlussfeier der TUHH

Mergole Kuate wächst in Douala auf, der ehemaligen Hauptstadt und heutigen Wirtschaftsmetropole Kameruns. Nach seinem Abitur 2004 empfehlen ihm seine Eltern, in Deutschland zu studieren. „Sie fanden, dass sich Deutschland am besten für ein technisches Studium eigne“, sagt er. Im englischsprachigen Master-Studiengang an der TU Hamburg entscheidet er sich schließlich für den Schwerpunkt Software for Information and Communication Systems, seine Abschlussarbeit schreibt er bei Professor Dieter Gollmann, Leiter des Instituts für Sicherheit in verteilten Anwendungen (SVA).

Er entwickelt für den Flugzeugbauer Airbus eine neue Software für die Qualitätssicherung (Mobile Quality Management), die zur Optimierung bei der Prüfung großer Bauteile beiträgt. Kuate leitete das gesamte Projekt von der Entwicklung über das Design bis hin zur Software. „Es ging darum, die Software ergonomisch zu gestalten“, erklärt er. „Dafür habe ich eng mit den Prüfern von Airbus zusammengearbeitet, denn sie sind schließlich die Anwender. Sie haben die Aufgabe, etwa 5000 Messpunkte auf den Bauteilen zu überprüfen. Bislang wurde dies manuell durchgeführt und die Übertragung der Messwerte erfolgte mündlich. „Dieses Vorgehen ist sehr fehleranfällig“, sagt Kuate. Mit Hilfe der von ihm entwickelten Software ist dieser gesamte Qualitätssicherungs-Prozess für große Bauteile von Airbus-Maschinen automatisiert und damit vereinfacht. Die Übertragung erfolgt per Bluetooth auf einen Tablet-PC. Die Vorteile: erhebliche Zeitersparnis, höhere Zuverlässigkeit und bessere Qualität. Alle Messergebnisse werden gleichzeitig archiviert. Mit seiner Arbeit kann MergoleKuate gleich einen doppelten Erfolg verbuchen: Seine Masterarbeit wird mit „sehr gut“ bewertet und die Software wird bei Airbus eingesetzt, zunächst in Deutschland und Großbritannien. Frankreich soll innerhalb der nächsten zwölf Monate folgen.

Nach Abschluss seines Studiums im Januar 2011 hat Mergole Kuate keine Schwierigkeiten eine Anstellung zu finden. „Auch die Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis zu bekommen, war problemlos“, sagt er. Grund dafür könntedie Absicht der Bundesregierung sein, wegen des Facharbeitermangels in Deutschland die Aufenthaltsgenehmigung für nicht EU-Bürger zu erleichtern: Besonders Ingenieure, Ärzte und wohl auch IT-Spezialisten sollen unkomplizierter eingestellt werden können. Kuate arbeitet seit März bei dem global agierenden Logistikdienstleister Kühne + Nagel als Oracle Software-Entwickler. Er kümmert er sich um den Betrieb und die Weiterentwicklung von IT-Lösungen, die zur Qualitätssicherung und Kostenoptimierung der logistischen Kette (Supply Chain) beitragen.

In seiner freien Zeit ist Mergole Kuate am liebsten mit Freunden zusammen, die er während seines Studiums an der TUHH, im Deutschkurs und auch bei der AStO, der Afrikanischen Studierendenorganisationder TUHH, kennen gelernt hat. Bei der AstO hilft er noch heute Studierenden aus afrikanischen Ländern sowohl beim Studium als auch bei der Integration. „Sie könnten sich jederzeit an mich wenden“, betont Kuate. Denn obwohl er nicht mehr studiert, engagiert er sich noch immer dort. „Ich will das weitergeben, was ich selbst an der TU positiv erlebt habe“, sagt er. Im Jahr 2008 ist er für sein soziales Engagement bei der AstO mit dem Karl-Heinz-Ditze-Preis ausgezeichnet worden. Vorbildlich. Doch für ihn persönlich ist momentan vor allem eines wichtig „Erfahrungen im Beruflichen zu sammeln und noch viel mehr zu lernen“.

Text: Anke Mönning


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