Die TUHH im Gründungsfieber

Ein Jahr Startup Dock

30.12.2014

Teilnehmer der ersten Summer School mit Prof. Christoph Ihl.
Teilnehmer der ersten Summer School mit Prof. Christoph Ihl. Foto: Startup Dock

Ein Jahr im TUHH Startup Dock, das heißt innovative Gründungen, handfeste Erfolgsgeschichten, spannende Events und intensives Networking. Das erste komplette Kalenderjahr seit Bestehen des Gründerzentrums der Technischen Universität Hamburg (TUHH) ist fast vorbei und es wird Zeit, einen kurzen Blick zurückzuwerfen. Was ist 2014 alles passiert? Viele neue Startups haben den Weg in die Beratung gefunden, etwa SessionLine (Social Network), tabbt (Social Payments) oder TerraPellet (Produktion/Vertrieb von Düngemitteln, Bodenverbesserern und Substraten). Die Teams werden bei ihren Gründungsvorhaben unterstützt von den drei Inhouse-Consultants Felix Müller (Digital & Services), Daniel Priem (Green Technologies) und Dr. Andrea Otto (Life Sciences).

So ließen die ersten vorzeigbaren Erfolge der Studierendenteams aus TUHH und Northern Institute of Technology Management (NIT) nicht lange auf sich warten: juicify gewannen mit ihrer Lösung für Wireless Charging den bundesweiten Gastro Vision Förderpreis 2015. Die Gründer Lennart Tremp und Tammo Wallisch stellten ihre Idee im November in Berlin vor und überzeugten das hochkarätige Jurorenteam. Auf der nächsten Gastro Vision, dem führenden Branchentreff für Gastronomie, Hotellerie und Catering, hat das Team nun vom 13. bis 17. März 2015 im Empire Riverside Hotel Hamburg die Möglichkeit, seine Entwicklung vor 3.000 geladenen Fachleuten und Top-Entscheidern zu präsentieren.

Sebastian Rösch und Maximilian Schmiedel von brightup, eine Smart Home-Entwicklung im Bereich Beleuchtung, waren ebenfalls in der Hauptstadt erfolgreich: Sie wurden für vier Monate in den Microsoft Ventures Accelerator aufgenommen. Als eines von sieben Startups bei über 500 Bewerbungen hatte das Duo die Jury aus Investoren und Microsoft-Mitarbeitern überzeugen können, brightup in den zweiten Batch aufzunehmen. An ihren eigenen Arbeitsplätzen in der Filiale Unter den Linden wurden ihnen ab August Mentoren für die Software-Entwicklung und Business Development an die Seite gestellt sowie wertvolle Kontakte zu Investoren vermittelt.

Auch Matthias Schmittmann und Johannes Weber von bentekk konnten mit ihrem tragbaren Boden-Messgerät zur schnellen Erfassung von Schadstoffbelastungen punkten: Sie gewannen den Hamburger Innotech-Preis 2014, der Gründungswettbewerb von TuTech Innovation GmbH und hit-Technopark. Im Mai hatte das Team bereits das EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie erhalten. Das junge Unternehmen ist damit finanziell gut aufgestellt, um im kommenden Jahr die Weiterentwicklung ihres Umweltmessgeräts voran zu treiben und weitere Einsatzfelder zu erschließen, zum Beispiel in der Gebäudediagnostik oder der Chemieindustrie.

Auch im Startup Dock selbst ist viel passiert. Die Aktivitäten des Gründerzentrums wurden im „Gründungsradar 2013“ des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft sichtbar: Nach Position 20 in 2012 gelang der TUHH im Ranking der Gründerhochschulen erstmals der Sprung in die Top Ten unter den mittelgroßen Universitäten (5001 bis 15.000 Studierende). Mit dem Prädikat „vorbildlich“ wurde die Hochschule für seine Aktivitäten ausgezeichnet, das Interesse für Gründungen zu wecken und relevantes Know-how in diesem Bereich zu schaffen. In Bezug auf die Gründungsaktivitäten, also die Beteiligung an Förderwettbewerben und die Zahl der Gründungen selbst, landete die TUHH durch eine starke Verbesserung gar auf dem zweiten Platz.

Seit dem Wintersemester 2014/15 bietet das Startup Dock durch das neu gegründete TUHH Institute of Entrepreneurship akademische Gründungslehre an. Dort werden alle Aktivitäten auf curricularer Seite gebündelt, so auch die Gründungsforschung. Unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Ihl bietet das Institut Bachelor- und Masterstudierenden der TUHH und des NIT vielfältige Lehrveranstaltungen zum Thema Gründung an. Die ersten Ergebnisse des Lehrangebots können sich sehen lassen. So konnten im Rahmen der ersten Startup Spirit-Veranstaltung 36 Gründerprojekte aus der Praxis auf insgesamt 212 Studierende verteilt werden. Startups und junge Unternehmen konnten sich im Vorwege bewerben, um ihre unternehmerischen Herausforderungen von Studententeams bearbeiten zu lassen. Bereits auf Bachelorebene haben die TeilnehmerInnen somit die Möglichkeit, Geschäftsmodelle für Gründer und Unternehmen zu entwickeln.

Zu den weiteren, gelaunchten Formaten gehörte im September die European Summer School on Startup Engineering unter der Leitung von Professor Ihl und Dr. Bernhard Doll (Orange Hills). Aufgrund des hohen Zuspruchs ist für das Frühjahr bereits eine Spring School geplant. Zusätzlich gestartet ist eine Seminarreihe zu allen wichtigen Themen rund um die Unternehmensgründung in Form von zwölf Abenden, an denen kompaktes Expertenwissen vermittelt wird. Der Entrepreneurship-Kurs war innerhalb kurzer Zeit ausgebucht. Die erfolgreiche Kooperation mit dem NIT wurde mit der Open Lecture Series fortgesetzt. Erneut konnten bedeutende Gründerköpfe der Startupszene als Referenten gewonnen werden, um auf dem Campus über ihre Anfänge, Herausforderungen und Geschäftsideen zu sprechen. Zu ihnen gehörten 2014 unter anderen Benjamin Adrion von Viva con Agua, Thomas Reimers von Protonet oder Catarina van Delden (innosabi), als eine von „Deutschlands Digitalen Köpfen 2014“.

Auch außerhalb Harburgs hisste das Startup Dock die TUHH-Flagge: Im September wurde erstmals der UniPitch@Reeperbahn als komplettes Tagesevent im Rahmen des Reeperbahn Festivals organisiert, das in den letzten Jahren immer mehr zu einem Pflichttermin für Startups nicht nur in Hamburg avancierte. Studierenden und Gründungsinteressierten aller Hamburger Hochschulen wurden interaktive Sessions mit bekannten ExpertInnen und erfahrenen Entrepreneuren geboten. TeilnehmerInnen im Grünspan konnten außerdem bei einer Idea Pitching Challenge ihre Geschäftsideen live vor einer Jury vorstellen. Ein spannendes Event mit tollem Feedback, das im nächsten Jahr mit Sicherheit seine Fortsetzung finden wird.

„Jobmessen mit großen Unternehmen gibt es viele, doch was ist mit Startups sowie kleinen und mittleren Unternehmen?“, dachten sich Career Center und Startup Dock und schufen auf dem Campus der TUHH mit der Meet+Connect im November eine Plattform für diese Unternehmen, um an qualifizierten Nachwuchs zu gelangen. Auch der über acht Meter hohe, mobile Kletterturm der Nordwandhalle bei strahlendem Sonnenschein auf dem diesjährigen Sommerfest hat mit Sicherheit nicht nur bei kletterbegeisterten Studierenden und TUHH-Angehörigen einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Man darf gespannt sein auf das Jahr 2015!

Text: Christoph Steckhan


TUHH - Pressestelle